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Adelaidesittich
Platycercus a. adelaide
(Gould,1820)
Englisch. Adelaide Rosella
Erfahrungen und Ansichten eines
Plattschweifsittichzüchters.
I. Allgemeines
In diesem Bericht möchte ich einigen
Großsittichzüchtern den Adelaidesittich näher bringen. Wie die meisten bei uns
gehaltenen Sittiche kommt auch der Adelaidesittich aus Australien. Seinen Namen
erhielt er von John Gould, der diese Plattschweifsittichart 1840 bestimmte. Er
benannte die Art nach deren Herkunftsort Adelaide. Adelaide ist die Hauptstadt
des australischen Bundeslandes South Australia. Auch er gehört zur Gattung der
eigentlichen Plattschweifsittiche (Platycercus),
die sich in acht Arten und fünfzehn Unterarten aufteilen. Diese teilen sich
wiederum in drei Gruppen auf, die blauwangige, die weiß- und die gelbwangige,
welche nur von einer Art besetzt ist. Das primäre Erkennungsmerkmal der Gattung
Platycercus ist die auffällige "Schuppenzeichnung oder Säumung" des
Rückens sowie die farblich gekennzeichnete Wangenregion. Der Adelaidesittich
ist ein Stiefkind in Vogelliebhaber-Volieren. Das liegt sicher mit daran, daß
er relativ selten gehalten wird und es dadurch zwangsläufig weniger Nachzuchten
gibt.
Der taxonamische Status des
Adelaidesittichs ist umstritten. Einige Systematiker betrachten ihn als
westliche Unterart des Pennantsittichs, mit der Begründung, daß der Farbübergang
von den Pennantsittichen zu den Adelaidesittichen übergangslos erfolgt (die Pennantsittiche an der südwestlichen
Verbreitungsgrenze sind besonders hell gefärbt) und die andersgestaltige
Farbgebung auf den trockeneren Lebensraum zurückzuführen ist. Unter Anwendung
der „Gloger'schen Regel“ ist die zunehmende Gelbfärbung in unmittelbarem
Zusammenhang mit der Besiedlung immer trockenerer Regionen zu sehen. Gute
Beispiele hierfür sind auch die Unterarten der Prachtrosella (Platycercus eximius ceciliae) und der
Rotrücken-Stanleysittich (P. icterotis
xanthogenys). Andere Taxonomen sehen im Adelaidesittich eine
Hybriden-Population, die aus Kreuzungen von Pennantsittichen (P. e. elegans) und Strohsittichen (P. flaveolus) entstanden ist. Beweis
hierfür sind Zuchten mit Gefangenschaftsexemplaren beider Arten, die den
Adelaidesittichen täuschend ähnlich sind. Unklar ist, welche Erbanteile
dominant oder rezessiv weitergegeben werden. Auf jeden Fall ist die
unterschiedliche Färbung von Adelaidesittichen einer engbegrenzten Region ein
in diesem Zusammenhang beachtenswertes Kriterium (dies könnten aber auch intermediäre Formen, P. a. adelaidae - P. a.
subadelaidae, sein). Sicher und deutlich ist, daß alle drei Arten eng
miteinander verwandt sind.
Der überwiegende Teil der
Taxonomen behandelt den Adelaidesittich als eigenständige Art und unterscheidet
ihn in zwei Unterarten.
Nach Herrn Josef Wingens,
AZN 11/90, sind Abweichungen in der Färbung sehr häufig, daher gilt auch beim
Adelaidesittich der gleiche Grundsatz wie beim Pennantsittich, daß die
Farbtönung der Rückenpartie der Brustpartie entsprechen muß. Ist die
Brustpartie dunkelrot und die Rückenpartie orange, so handelt es sich meist um
eine Kreuzung zwischen Pennant- und Strohsittich. Kreuzungen dieser Art und auch
mit anderen Arten sind leider sehr oft vorgekommen. Ich bitte daher alle
Liebhaber, die Adelaidesittiche in ihrem Bestand haben, versuchen Sie
blutsfremde Vögel zu bekommen, damit auch der Adelaidesittich in seiner Art
rein erhalten bleibt.
II.
Verbreitungsgebiet - Allgemein
Adelaidesittiche sind standorttreu; nur
örtlich jahreszeitliche Wanderungen, sie leben in bewaldeten Tälern, offenen
Wäldern, Galeriewäldern entlang von Flüssen, Savannen mit Baumbestand und
Obstplantagen; tauchen gelegentlich in den Gärten und Parkanlagen der Vororte
von Adelaide auf. Die Art findet sich auch in den Flächen land- und
forstwirtschaftlicher Anbaugebiete ein. Sie leben in der unmittelbaren Nähe von
Wasserläufen und sind deshalb an Creeks, Flüssen und Bächen besonders häufig. In
kleinen Gruppen leben sie auf engbegrenztem Raum. Nur zu Zeiten absoluter Dürre
wandern sie in feuchtere Gegenden ab, so daß sich dann entlang von
wasserführenden Flüssen etc. größere Gruppen bilden. Adelaidesittiche
verbringen den Großteil des Tages mit Nahrungssuche. Sie sind wenig scheu,
werden regelmäßig bei der Nahrungsaufnahme in hohen Bäumen, auf dem Boden oder
beim Trinken an Wasserstellen beobachtet. Nur in der heißen Mittagszeit ruhen
sie im Blattwerk der Eukalyptusbäume. Der Flugstil entspricht dem des
Pennantsittichs, und der Ruf ist auch mit dem des Pennantsittichs identisch.
Brutverhalten der
freilebenden Adelaidesittiche
Die Balz der Adelaidesittiche
entspricht dem Balzverhalten des Pennantsittichs, wie auch der ganze Brutzyklus
und Aufzuchtmodus mit dem Verhalten des Pennantsittichs identisch ist.
Die Brutsaison erstreckt sich von
September bis Januar. Höhlen, Äste und Stämme lebender sowie toter Bäume dienen
als Nistplätze. In überwiegender Zahl werden Nistplätze in Eukalyptusbäumen
bevorzugt, da diese mit ihren glatten Stämmen einen guten Schutz vor Feinden
bieten. Im Frühjahr lösen sich die Adelaidesittichgruppen auf. Ab diesem
Zeitpunkt besetzen die Vögel paarweise auch ein eigenes Revier, welches
gegenüber Artgleichen verteidigt wird. Die Männchen sind für die richtige
Nisthöhle verantwortlich. Sie zeigen ihrem Weibchen die vorgesehene Brutstätte.
Bereits wenige Tage später kommt es zur Eiablage. Das Weibchen legt drei bis
sieben Eier. Während das Weibchen alleine brütet, hält sich das Männchen in der
Umgebung des Nestes auf. Sie verläßt das Nest nur kurz in den frühen Morgenstunden
und am späten Nachmittag. Das Männchen füttert in regelmäßigen Abständen sein
Weibchen. Nach einer Brutdauer von 20 Tagen schlüpfen die Jungen. Im Alter von
35 Tagen verlassen sie das Nest, werden aber von den Eltern noch einige Zeit
gefüttert. Wenige Wochen nach dem Ausfliegen sammeln sich Jungtierschwärme und
ziehen umher wie Nomaden, während die Zuchtpaare eigentlich seßhaft sind und
nur örtlich bedingte Wanderungen im Winter stattfinden. Außerhalb der Brut
vereinigen sie sich zu größeren Gruppen mit anderen Sittichen. Die Nahrung der
frei lebenden Adelaidesittiche besteht hauptsächlich aus Grassamen, Samen von
Büschen und Bäumen, vor allem Eukalyptus- und Akazienbäumen; daneben auch
Früchten, gemüseartigen Pflanzen, verschiedenen Getreidearten, je nach Art des
Getreideanbaugebietes, Beeren, Knospen, Nüssen, Blüten, Nektar, Insekten und
deren Larven; richten in Kirschplantagaen und gelegentlich in
Getreideanbaugebieten Schäden an.
III.
Adelaidesittich (die dunkle Art)
Platycercus
adelaidae adelaidae Gould 1840
1. Verbreitung
Süd-Australien, von der Südspitze der
Fleurien-Halbinsel nordwärts durch die Mount Lofty Ranges bis ungefähr nach
Clare und Busra.
2. Beschreibung
Die erwachsenen Vögel sind in der
Färbung äußerst variabel und nur selten gibt es zwei gleiche Exemplare. Die
Kombinationen bestehen aus bräunlichen und gelblichen Tönen und da in den
Volieren häufig Kreuzungen beider Unterarten durchgeführt werden bzw. wurden,
sind auch alle Übergangsformen dieser Färbung anzutreffen. In Bezug auf die
Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen gelten dieselben Merkmale wie beim
Pennant- und Strohsittich.
Hahn: Grundgefieder
variiert von hell bis kräftig orangerot; Stirn, Zügel und Scheitel orangerot;
Kopfseiten und Nacken orangegelb; Wangen violettblau; Bauch und Brust gelb mit
mehr oder weniger kräftigem Anflug von orangerot; Nacken und Rücken schwarz,
jede Feder olivgelb gesäumt und teilweise mit mattem orangerot überzogen;
Unterrücken olivgelb, auf den Oberschwanzdecken in orangegelb übergehend und
mit orangerotem Anflug; Schulterfedern grauschwarz und mit breiten orangeroten
Säumen; die inneren mittleren Flügeldecken schwarz; Flügelbug und äußere
mittlere Flügeldecken hellblau; Armdecken blaßblau; Armschwingen, Außenfahnen
im Basisbereich der Handschwingen und Unterflügeldecken tiefblau; die mittleren
Schwanzfedern oberseits dunkelviolettblau und mit dunkelgrüner Basis; die
äußeren Schwanzfedern dunkelblau, mit hellblauen Säumen und blasser Spitze; die
Schwanzunterseite blaßbläulich; Schnabel hornfarben-grau; schmaler nackter
Augenring grau; Iris dunkelbraun; Füße grau. Größe ca. 35 cm.
Henne:
Durchschnittlich kleiner und oft mit stärker orangefarbenem Anflug; heller
Unterflügelstreifen gelegentlich vorhanden; kleinerer und schmalerer Schnabel.
Die Kopfwölbung über dem Schnabelansatz verläuft wesentlich flacher als beim
Hahn.
Orangerote
Gefiederpartien bei Jungtieren ebenfalls variabel; mit Ausnahme von Stirn,
Scheitel, oberen Wangen, Hals, Teilen der Oberbrust, Schenkel und
Unterschwanzdecken olivgrün; innere mittlere Flügeldecken und äußere Armdecken
matt olivgrün; Unterflügeldecken mattblau; Oberseite der mittleren
Schwanzfedern dunkel olivgrün mit blauschwarzer Spitze; Schwanzunterseite blaß
graublau; heller Unterflügelstreifen vorhanden; Umfärbung mit 16 Monaten
abgeschlossen.
IV.
Blasser Adelaidesittich
Platycercus
adelaidae subadelaidae Mathews 1912
1.
Verbreitung
Süd-Australien
von Gladstone nordwärts bis zu den südlichen Flinder Ranges. Die
Verbreitungszone ist von minimaler Ausdehnung. Die Nord-/Südausdehnung erreicht
eine Länge von etwa 350 km, die Ost-/Westausdehnung max. 200 km. Das
Verbreitungsareal der Unterart P.a. subadelaidae macht davon etwa ein Drittel
aus. Beide Unterarten werden durch einen etwa 50 km breiten Streifen getrennt.
2. Beschreibung
Hahn: Wie P.
a. adelaidae, aber mit deutlich weniger orangerot auf Brust und Bauch und
nahezu ohne orangeroten Anflug auf Rückenfedern und Oberschwanzdecken.
Henne: mit
denselben Unterschieden wie bei der Nominatform. Größe ca. 35 cm.
V.
Haltung
Wie üblich, so war auch beim
Adelaidesittich der Zoologische Garten in London der erste Tierpark, der diese Großsittichart
dem Publikum im Jahre 1863 präsentierte. Nach Deutschland kamen die Tiere
später, waren hier aber immer selten. In der Haltung unterscheiden sie sich
nicht von anderen Plattschweifsitticharten, schöne ruhige Vögel.
Die beste Unterbringung stellt die
Freivoliere mit anschließendem Schutzraum dar. In einer derartigen Voliere
überstehen die Adelaidesittiche unsere milden Winter ohne starkes Heizen. Die
Vögel brauchen Sonne, Wind und Wetter, um sich richtig entwickeln zu können.
Hält man mehrere Plattschweifsittiche nebeneinander, sollte unbedingt auf eine
doppelwandige Verdrahtung der Voliere geachtet werden, da es sonst durch
Beißereien zu schweren Zehenverletzungen kommen kann. Es empfiehlt sich,
Adelaidesittiche paarweise in einer Voliere zu halten, da sie auf andere
Artgenossen aggressiv reagieren. Adelaidesittiche sind bewegungsaktiv,
zutraulich, gute Flieger und nagen gern an Obst- und Weidenzweigen. Die Rinde
der Zweige ist reich an Mineralstoffen und Spurenelementen. Es empfiehlt sich,
Zweige in der Voliere anzubringen, um auch den Kletterbetrieb zu befriedigen.
Die Sitzstangen sollten in verschiedenen Stärken aus Naturholz sein.
Adelaidesittiche kommen oft auf den Boden, scharren im Sand und baden gern. In
meinen Volieren sind nicht nur Sitzstangen und Zweige, sondern auch
abgestorbene dicke Äste oder Baumwurzeln. Die Vögel sind damit beschäftigt, die
Äste bzw. Baumwurzeln zu zerlegen und pflegen somit ihre Schnäbel und Krallen.
Dieses habe ich bei einem Schauwellensittichzüchter gesehen, als ich 1984 mit
der Wellen- und Großsittichzucht anfing. Ich habe es bei meinen Vögeln auch
ausprobiert und praktiziere es heute noch. Zur Einrichtung des Geheges gehört
unbedingt eine flache Wasserschale als Badegelegenheit. Über der Futter- und
Wasserstelle darf keine Sitzstange oder andere Sitzgelegenheit angebracht
werden, da sonst der Kot in diese Gefäße fällt und den Inhalt verunreinigt. Da
die Sittiche für Infektionen mit Würmern anfällig sind, sollte man zweimal im
Jahr eine Wurmkur durchführen.
VI.
Ernährung
Das Futter meiner Plattschweifsittiche besteht aus einer
Großsittichfuttermischung, Unkrautsämereien, Kolbenhirse, Hafer. Da gekeimte
Sämereien wertvoller als trockene sind, sollten sie auch im gequollenen oder
gekeimten Zustand angeboten werden . Nach neuesten Erkenntnissen sollte das
Keimfutter nicht länger als 6 Stunden im Wasser sein. Mein Keimfutter besteht
aus Wellensittichkeimfutter mit Papageienquellfutter Hafer, Weizen und
Sonnenblumenkernen. Es sollte nur darauf geachtet werden, dass diese
Futtermittel während des Quell- und Keimvorgangs nicht säuern. Gut bewährt hat
sich ein handelsübliches Aufzucht- bzw. Eifutter der Firmen
CEDE oder Orlux für Sittiche und Papageien sowie Wittemolen, alle
gemischt mit Matzinger Bio Hundeflockenfutter mit Gemüse. Verschiedene Obst- und
Gemüsesorten, vor allem jedoch Karotten und Äpfel, Vogelmiere, Mangold,
Löwenzahn, Petersilie, Ebereschen, Hagebutten, Apfelsinen, Bananen,
Weintrauben, Birnen, Brennnesselblätter, Vogelknöterich, Gartenkresse, knospende
Zweige von Obstbäumen, Birken, Buchen, Weiden und andere Laubbäume sind
besonders begehrt. Des weiteren bekommen meine Plattschweifsittiche Grit,
Vogelkalk, Mineralstoffe, Aminosäuren, Spurenelemente und Vitamine.
VII.
Zucht
Im März bis Mai, wenn uns die ersten warmen Tage
beschert werden, beginnt der Adelaidesittich mit der Balz. Der Hahn sitzt auf
einer Sitzstange neben der Henne mit nach vorne gestoßenen und leicht
geöffneten Flügeln, die Brustfedern gesträubt, den Kopf aufgerichtet und nach
hinten oder zur Seite geneigt, wippt er mit gefächertem Schwanz. Dabei ertönt
ein unablässiges Geschnatter. Er balzt auch auf dem Erdboden und vor dem
Nistkasten. Damit lockt er sein Weibchen herbei. In der Auswahl der Nistkästen
sind die Tiere nicht sehr wählerisch. Man kann diese Kästen ohne weiteres
selbst herstellen (sechseckig, Höhe 70
cm, Innendurchmesser 24 cm und das Einflugloch hat einen Durchmesser von 8 cm).
Natürlich sollte alles aus Naturholz sein. Man kann auch ausgehöhlte Baumstämme
mit 24 cm Innendurchmesser und 60 cm Tiefe verwenden. Den Boden des
Nistkastens fülle ich mit Hobelspänen/Hamsterstreu auf, weil er so einfach
sauberzuhalten ist und meine Vögel dies sehr gut annehmen. Außerdem nehmen die
Hobelspäne gut die Feuchtigkeit des Kotes auf, wodurch die Füße und Ringe der
Jungtiere sauber bleiben. Ich habe mehrfach in Zuchtberichten gelesen, daß
manche Züchter Sägemehl verwenden. Sägemehl ist fein, staubig und kann sich
somit in den Augen der Jungen festsetzen und zu Entzündungen führen. In der
Balzzeit ist der Adelaidsittich ein sehr lebhafter Vogel, den man in dieser
Zeit genau beobachten sollte, da manche Hähne gegenüber ihren Hennen äußerst
aggressiv werden können. Solche Hähne sollten nicht zur Zucht angesetzt werden.
Bereits vor der Eiablage bettelt die Henne beim Hahn um Nahrung und wird auch
regelmäßig gefüttert. Kurze Zeit später liegt meistens das erste Ei im
Nistkasten. (Ein erfahrener Züchter sieht
dies bereits einige Tage vorher an der unnatürlich gewölbten Rückenlinie des
Weibchens ). Jeden 2. Tag erfolgt dann eine weitere Eiablage.
Durchschnittlich besteht ein Gelege aus 6 Eiern, es kann aber auch auf
stattliche 10 Eier ansteigen. Nachdem die Henne sich gesetzt hat, kann man am
fünften Tag im Ei rote Adern erkennen, die auf die Befruchtung hinweisen. Nach
gut einer Woche verfärbt sich das befruchtete Ei schwärzlich, die nicht
befruchteten Eier bleiben hell. Während die Henne die Eier bebrütet, wird es
regelmäßig vom Hahn gefüttert. Nach einer Brutzeit von 21 Tagen erblicken die
Jungen das Licht der Welt, sie öffnen die Eischale mit ihrem Eizahn. Den
Eizahn verlieren die Jungtiere im Alter von einer Woche. An den ersten
Lebenstagen der jungen Adelaidesittiche kommt die Henne fast überhaupt nicht
aus dem Nistkasten. Was ihr der Hahn an Futter gibt, verfüttert sie an die
Jungen weiter. Sie würgt das Futter aus dem Kropf hoch und pumpt es in die
Schnäbel der Kleinen. Wichtig für das Gedeihen der Jungen ist ein Sekret, das
sich im Kropf der Eltern bildet und sehr eiweißhaltig ist. Die Ernährungswissenschaft
hat gezeigt, daß die ausreichende Versorgung der Jungvögel mit Nahrung in den
ersten zwei Lebenswochen von immenser Bedeutung ist. Jungvögel, die
unzureichend ernährt werden, erreichen niemals ihre genetisch mögliche Größe.
Zwischen dem 7. und 10. Tag, je nach Wachstumsfortschritt, werden die jungen
Adelaidesittiche bei mir mit geschlossenen AZ-AGZ-Ringen beringt. Der Ring ist
zuerst über die drei längeren Zehen und danach über die vierte kleinere zu
streifen. Es darf kein Ring mit Gewalt übergezogen werden, da eine bleibende
Fußverletzung nicht ausgeschlossen werden kann. Ich mache regelmäßig
Nistkastenkontrollen und nehme die jungen Adelaidesittiche in die Hand oder
heraus, um zu überprüfen, ob sie gut gefüttert werden und damit sie keine Angst
haben, wenn sie den Nistkasten verlassen. Somit werden sie von klein an recht
zutraulich. Die Zuchtpaare gewöhnen sich schnell daran und akzeptieren die
Kontrollen.
Wenn die Jungen erst 10 Tage und älter
sind, geht der Hahn auch in den Nistkasten und füttert direkt. In diesem Alter
öffnen die Jungen ihre Augen und man erkennt die ersten Federkiele. Der Hahn
füttert immer eifriger, und wenn die Jungen mit etwa 35 Tagen das Nest
verlassen, hat er diese Pflicht fast ausschließlich übernommen, denn kurze Zeit
später können bereits wieder Eier im Nest liegen, eine zweite Brut ist keine
Seltenheit. Die jungen Adelaidesittiche werden von ihrem Vater weiter gefüttert
bis sie mit etwa 14 Tagen nach dem Ausfliegen selbständig sind. In den ersten
Tagen sind sie beim Fliegen noch recht unbeholfen, man sollte in der Zeit das
Volierenende - sprich Draht - mit Zweigen dekorieren, um Verletzungen zu
vermeiden. Es empfiehlt sich, in dieser Zeit eine Wurmkur durchzuführen, denn
die Jungtiere entwickeln sich dann besser. Gute 4 Wochen nach Verlassen des
Nistkastens trenne ich die Jungen von den Eltern, außer, wenn keine Brut mehr
folgt und der Hahn die Jungen länger duldet. Nach Beendigung der Brutzeit nehme
ich den Nistkasten/ Naturstamm heraus.
Bei allen meinen Zuchtpaaren hängen
zwei Nistkästen. Einer ist aus Naturstamm, der zweite ist ein selbst
hergestellter sechseckiger Nistkasten; auch wenn einige Züchter dieses für
unnötig erachten. Viele erste Bruten würden unversehrt den Nistkasten
verlassen, wenn man diesen Tip beherzigen würde. Gelegentlich werden die Jungen
auf der Suche nach einer Nistgelegenheit für die zweite Brut vom Althahn
gerupft oder gar getötet. Außerdem suchen sich erstmals brütende Paare gerne ihren
Nistkasten aus, was meines Erachtens nach für eine erfolgreiche Brut nicht
unerheblich ist.
Ich habe festgestellt, wenn man mehrere
Paare einer Art hat, diese aber nicht direkt in nebeneinanderliegenden oder
gegenüberliegenden Volieren hält (z.B.
Adelaidesittiche, Pennantsittiche oder Prachtrosella) sich dieses auf die
Zucht stimulierend auswirkt. Denn gerade in der Balz heizen sich die Hähne
durch ihren Gesang oder Flöten gegenseitig an. Ein weiterer Vorteil der Zucht
mit mehreren Paaren einer Art oder Unterart liegt darin, daß man Jungtiere, die
von ihren Eltern nicht versorgt werden, anderen Paaren unterlegen kann. Daß
das Umlegen der Jungtiere nur in Ausnahmefälle geschehen soll, dürfte als
selbstverständlich angesehen werden. Ein weiterer Vorteil der Zucht mit
mehreren Paaren ist, daß man selbst blutfremde Paare aus seinen Jungtieren
zusammenstellen kann.
Es sollte hier auch erwähnt werden, daß
gerade an Plattschweifsittiche von einigen Züchtern hohe Ansprüche gestellt
werden. Sie vertreten die Ansicht, daß er nach Vollendung seines ersten
Lebensjahres zur Brut schreiten sollte. Wir wissen jedoch, daß die meisten
Plattschweifsittiche erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres voll in Pracht
und damit ausgewachsen und zuchtreif sind. Wenn sie ein Jahr eher zur Zucht
animiert werden, ist dies in vielen Fällen nutzlos und selbst dort, wo eine
Brut gelingt, eine Sache, die man nicht unbedingt befürworten kann. Die
Erfahrung hat eindeutig gezeigt, daß die Aussicht auf Erfolg bei erwachsenen
Tieren wesentlich größer ist. Wer wirklich aus Liebe zum Tier seine Zucht betreibt,
sollte sich jedoch den Vorsatz zu eigen machen: „Züchten heißt nicht nur vermehren, sondern vor allem erhalten.“
Vom Adelaidesittich ist eine
Lutinomutation bekannt. Sowohl in der Natur, als auch bei australischen
Vogelfreunden in der Voliere wurden Exemplare dieser Mutation wahrgenommen.
Wahrscheinlich kommen sie bis jetzt noch nicht in Europa vor.
Ich finde die wildfarbigen Sittiche am
schönsten, da diese Farben am natürlichsten sind. Außerdem sind gute
wildfarbige Tiere stets die besten Partner in den Mutationszuchten. Ob
Mutationszuchten überhaupt zeitgemäß sind, muß jeder Vogelliebhaber für sich
selbst entscheiden. Sicherlich finden sie ihre Berechtigung darin, daß sie auf
Naturentnahme gänzlich verzichten und somit ein Schutz der freilebenden
Populationen darstellen. Aber australische Sittiche werden sowieso nicht mehr
eingeführt, denn Australien hat seit einigen Jahrzehnten den Export von
Großsittichen und Papageien gänzlich eingestellt.
Literatur: Arndt, Thomas (1992): Lexikon der Papageien,
Band 1-8
Hoppe, Dieter, Fachzeitschrift: Die
Voliere, Heft Nr. 6/1986
Biologie und Pflege der
Plattschweifsittiche/Rosellasittiche
Kremer, Hermann (1988): Australische
Sittiche und ihre
Mutationen
Siegfried
Wiek
AZ-Nr.:
24174