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Adelaidesittich

Platycercus a. adelaide (Gould,1820)

Englisch. Adelaide Rosella

 

 

 

 

 

Erfahrungen und Ansichten eines Plattschweifsittichzüchters.

 

I.  Allgemeines

 

In diesem Bericht möchte ich einigen Großsittichzüchtern den Adelaidesittich näher bringen. Wie die meisten bei uns gehaltenen Sittiche kommt auch der Adelaidesittich aus Australien. Seinen Namen erhielt er von John Gould, der diese Plattschweifsittichart 1840 bestimmte. Er benannte die Art nach deren Herkunftsort Adelaide. Adelaide ist die Hauptstadt des australischen Bundeslandes South Australia. Auch er gehört zur Gattung der eigentlichen Plattschweifsittiche (Platycercus), die sich in acht Arten und fünfzehn Unterarten aufteilen. Diese teilen sich wiederum in drei Gruppen auf, die blauwangige, die weiß- und die gelbwangige, welche nur von einer Art besetzt ist. Das primäre Erkennungsmerkmal der Gattung Platycercus ist die auffällige "Schuppenzeichnung oder Säumung" des Rückens sowie die farblich gekennzeichnete Wangenregion. Der Adelaidesittich ist ein Stiefkind in Vogelliebhaber-Volieren. Das liegt sicher mit daran, daß er relativ selten gehalten wird und es dadurch zwangsläufig weniger Nachzuchten gibt.

Der taxonamische Status des Adelaidesittichs ist umstritten. Einige Systematiker betrachten ihn als westliche Unterart des Pennantsittichs, mit der Begründung, daß der Farbübergang von den Pennantsittichen zu den Adelaidesittichen übergangslos erfolgt (die Pennantsittiche an der südwestlichen Verbreitungsgrenze sind besonders hell gefärbt) und die andersgestaltige Farbgebung auf den trockeneren Lebensraum zurückzuführen ist. Unter Anwendung der „Gloger'schen Regel“ ist die zunehmende Gelbfärbung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Besiedlung immer trockenerer Regionen zu sehen. Gute Beispiele hierfür sind auch die Unterarten der Prachtrosella (Platycercus eximius ceciliae) und der Rotrücken-Stanleysittich (P. icterotis xanthogenys). Andere Taxonomen sehen im Adelaidesittich eine Hybriden-Population, die aus Kreuzungen von Pennantsittichen (P. e. elegans) und Strohsittichen (P. flaveolus) entstanden ist. Beweis hierfür sind Zuchten mit Gefangen­schaftsexemplaren beider Arten, die den Adelaidesittichen täuschend ähnlich sind. Unklar ist, welche Erbanteile dominant oder rezessiv weitergegeben werden. Auf jeden Fall ist die unterschiedliche Färbung von Adelaidesittichen einer engbegrenzten Region ein in diesem Zusammenhang beachtenswertes Kriterium (dies könnten aber auch intermediäre Formen, P. a. adelaidae - P. a. subadelaidae, sein). Sicher und deutlich ist, daß alle drei Arten eng miteinander verwandt sind.

Der überwiegende Teil der Taxonomen behandelt den Adelaidesittich als eigenständige Art und unterscheidet ihn in zwei Unterarten.

Nach Herrn Josef Wingens, AZN 11/90, sind Abweichungen in der Färbung sehr häufig, daher gilt auch beim Adelaidesittich der gleiche Grundsatz wie beim Pennantsittich, daß die Farbtönung der Rückenpartie der Brustpartie entsprechen muß. Ist die Brustpartie dunkelrot und die Rückenpartie orange, so handelt es sich meist um eine Kreuzung zwischen Pennant- und Strohsittich. Kreuzungen dieser Art und auch mit anderen Arten sind leider sehr oft vorgekommen. Ich bitte daher alle Liebhaber, die Adelaidesittiche in ihrem Bestand haben, versuchen Sie blutsfremde Vögel zu bekommen, damit auch der Adelaidesittich in seiner Art rein erhalten bleibt.

II.  Verbreitungsgebiet - Allgemein

Adelaidesittiche sind standorttreu; nur örtlich jahreszeitliche Wanderungen, sie leben in bewaldeten Tälern, offenen Wäldern, Galeriewäldern entlang von Flüssen, Savannen mit Baumbestand und Obstplantagen; tauchen gelegentlich in den Gärten und Parkanlagen der Vororte von Adelaide auf. Die Art findet sich auch in den Flächen land- und forstwirtschaftlicher Anbaugebiete ein. Sie leben in der unmittelbaren Nähe von Wasserläufen und sind deshalb an Creeks, Flüssen und Bächen besonders häufig. In kleinen Gruppen leben sie auf engbegrenztem Raum. Nur zu Zeiten absoluter Dürre wandern sie in feuchtere Gegenden ab, so daß sich dann entlang von wasserführenden Flüssen etc. größere Gruppen bilden. Adelaidesittiche verbringen den Großteil des Tages mit Nahrungssuche. Sie sind wenig scheu, werden regelmäßig bei der Nahrungsaufnahme in hohen Bäumen, auf dem Boden oder beim Trinken an Wasserstellen beobachtet. Nur in der heißen Mittagszeit ruhen sie im Blattwerk der Eukalyptusbäume. Der Flugstil entspricht dem des Pennantsittichs, und der Ruf ist auch mit dem des Pennantsittichs identisch.

 

Brutverhalten der freilebenden Adelaidesittiche

 

Die Balz der Adelaidesittiche entspricht dem Balzverhalten des Pennantsittichs, wie auch der ganze Brutzyklus und Aufzuchtmodus mit dem Verhalten des Pennantsittichs identisch ist.

Die Brutsaison erstreckt sich von September bis Januar. Höhlen, Äste und Stämme lebender sowie toter Bäume dienen als Nistplätze. In überwiegender Zahl werden Nistplätze in Eukalyptusbäumen bevorzugt, da diese mit ihren glatten Stämmen einen guten Schutz vor Feinden bieten. Im Frühjahr lösen sich die Adelaidesittichgrup­pen auf. Ab diesem Zeitpunkt besetzen die Vögel paarweise auch ein eigenes Re­vier, welches gegenüber Artgleichen verteidigt wird. Die Männchen sind für die rich­tige Nisthöhle verantwortlich. Sie zeigen ihrem Weibchen die vorgesehene Brut­stätte. Bereits wenige Tage später kommt es zur Eiablage. Das Weibchen legt drei bis sieben Eier. Während das Weibchen alleine brütet, hält sich das Männchen in der Umgebung des Nestes auf. Sie verläßt das Nest nur kurz in den frühen Morgenstun­den und am späten Nachmittag. Das Männchen füttert in regelmäßigen Abständen sein Weibchen. Nach einer Brutdauer von 20 Tagen schlüpfen die Jungen. Im Alter von 35 Tagen verlassen sie das Nest, werden aber von den Eltern noch einige Zeit gefüttert. Wenige Wochen nach dem Ausfliegen sammeln sich Jungtierschwärme und ziehen umher wie Nomaden, während die Zuchtpaare eigentlich seßhaft sind und nur örtlich bedingte Wanderungen im Winter stattfinden. Außerhalb der Brut vereinigen sie sich zu größeren Gruppen mit anderen Sittichen. Die Nahrung der frei lebenden Adelaidesittiche besteht hauptsächlich aus Grassamen, Samen von Bü­schen und Bäumen, vor allem Eukalyptus- und Akazienbäumen; daneben auch Früchten, gemüseartigen Pflanzen, verschiedenen Getreidearten, je nach Art des Getreideanbaugebietes, Beeren, Knospen, Nüssen, Blüten, Nektar, Insekten und deren Larven; richten in Kirschplantagaen und gelegentlich in Getreideanbaugebie­ten Schäden an.

 

III.  Adelaidesittich (die dunkle Art)

Platycercus adelaidae adelaidae Gould 1840

1.  Verbreitung

Süd-Australien, von der Südspitze der Fleurien-Halbinsel nordwärts durch die Mount Lofty Ranges bis ungefähr nach Clare und Busra.

2.  Beschreibung

Die erwachsenen Vögel sind in der Färbung äußerst variabel und nur selten gibt es zwei gleiche Exemplare. Die Kombinationen bestehen aus bräunlichen und gelblichen Tönen und da in den Volieren häufig Kreuzungen beider Unterarten durchgeführt werden bzw. wurden, sind auch alle Übergangsformen dieser Färbung anzutreffen. In Bezug auf die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen gelten dieselben Merkmale wie beim Pennant- und Strohsittich.

Hahn: Grundgefieder variiert von hell bis kräftig orangerot; Stirn, Zügel und Scheitel orangerot; Kopfseiten und Nacken orangegelb; Wangen violettblau; Bauch und Brust gelb mit mehr oder weniger kräftigem Anflug von orangerot; Nacken und Rücken schwarz, jede Feder olivgelb gesäumt und teilweise mit mattem orangerot überzogen; Unterrücken olivgelb, auf den Oberschwanzdecken in orangegelb übergehend und mit orangerotem Anflug; Schulterfedern grau­schwarz und mit breiten orangeroten Säumen; die inneren mittleren Flügel­decken schwarz; Flügelbug und äußere mittlere Flügeldecken hellblau; Armdecken blaßblau; Armschwingen, Außenfahnen im Basisbereich der Handschwingen und Unterflügeldecken tiefblau; die mittleren Schwanzfedern oberseits dunkelviolettblau und mit dunkelgrüner Basis; die äußeren Schwanzfedern dunkelblau, mit hellblauen Säumen und blasser Spitze; die Schwanzunterseite blaßbläulich; Schnabel hornfarben-grau; schmaler nackter Augenring grau; Iris dunkelbraun; Füße grau. Größe ca. 35 cm.

Henne: Durchschnittlich kleiner und oft mit stärker orangefarbenem Anflug; heller Unterflügelstreifen gelegentlich vorhanden; kleinerer und schmalerer Schna­bel. Die Kopfwölbung über dem Schnabelansatz verläuft wesentlich flacher als beim Hahn.

Orangerote Gefiederpartien bei Jungtieren ebenfalls variabel; mit Ausnahme von Stirn, Scheitel, oberen Wangen, Hals, Teilen der Oberbrust, Schenkel und Unterschwanzdecken olivgrün; innere mittlere Flügeldecken und äußere Armdecken matt olivgrün; Unterflügeldecken mattblau; Oberseite der mittleren Schwanzfedern dunkel olivgrün mit blauschwarzer Spitze; Schwanzunterseite blaß graublau; heller Unterflügelstreifen vorhanden; Umfärbung mit 16 Mona­ten abgeschlossen.

 

IV.  Blasser Adelaidesittich

                            Platycercus adelaidae subadelaidae Mathews 1912

1.  Verbreitung

Süd-Australien von Gladstone nordwärts bis zu den südlichen Flinder Ranges. Die Verbreitungszone ist von minimaler Ausdehnung. Die Nord-/Südausdehnung er­reicht eine Länge von etwa 350 km, die Ost-/Westausdehnung max. 200 km. Das Verbreitungsareal der Unterart P.a. subadelaidae macht davon etwa ein Drittel aus. Beide Unterarten werden durch einen etwa 50 km breiten Streifen getrennt.

2.  Beschreibung

Hahn: Wie P. a. adelaidae, aber mit deutlich weniger orangerot auf Brust und Bauch und nahezu ohne orangeroten Anflug auf Rückenfedern und Oberschwanzdecken.

Henne: mit denselben Unterschieden wie bei der Nominatform. Größe ca. 35 cm.

 

V.  Haltung

 

Wie üblich, so war auch beim Adelaidesittich der Zoologische Garten in London der erste Tierpark, der diese Großsittichart dem Publikum im Jahre 1863 präsentierte. Nach Deutschland kamen die Tiere später, waren hier aber immer selten. In der Haltung unterscheiden sie sich nicht von anderen Plattschweifsitticharten, schöne ruhige Vögel.

Die beste Unterbringung stellt die Freivoliere mit anschließendem Schutzraum dar. In einer derartigen Voliere überstehen die Adelaidesittiche unsere milden Winter ohne starkes Heizen. Die Vögel brauchen Sonne, Wind und Wetter, um sich richtig entwickeln zu können. Hält man mehrere Plattschweifsittiche nebeneinander, sollte unbedingt auf eine doppelwandige Verdrahtung der Voliere geachtet werden, da es sonst durch Beißereien zu schweren Zehenverletzungen kommen kann. Es empfiehlt sich, Adelaidesittiche paarweise in einer Voliere zu halten, da sie auf andere Artgenossen aggressiv reagieren. Adelaidesittiche sind bewegungsaktiv, zutraulich, gute Flieger und nagen gern an Obst- und Weidenzweigen. Die Rinde der Zweige ist reich an Mineralstoffen und Spurenelementen. Es empfiehlt sich, Zweige in der Voliere anzubringen, um auch den Kletterbetrieb zu befriedigen. Die Sitzstangen sollten in verschiedenen Stärken aus Naturholz sein. Adelaidesittiche kommen oft auf den Boden, scharren im Sand und baden gern. In meinen Volieren sind nicht nur Sitzstan­gen und Zweige, sondern auch abgestorbene dicke Äste oder Baumwurzeln. Die Vögel sind damit beschäftigt, die Äste bzw. Baumwurzeln zu zerlegen und pflegen somit ihre Schnäbel und Krallen. Dieses habe ich bei einem Schauwellensittichzüchter gesehen, als ich 1984 mit der Wellen- und Großsittichzucht anfing. Ich habe es bei meinen Vögeln auch ausprobiert und praktiziere es heute noch. Zur Einrichtung des Geheges gehört unbedingt eine flache Wasserschale als Badegelegenheit. Über der Futter- und Wasserstelle darf keine Sitzstange oder andere Sitzgelegenheit an­gebracht werden, da sonst der Kot in diese Gefäße fällt und den Inhalt verunreinigt. Da die Sittiche für Infektionen mit Würmern anfällig sind, sollte man zweimal im Jahr eine Wurmkur durchführen.

 

VI.  Ernährung

 

Das Futter meiner Plattschweifsittiche besteht aus einer Großsittichfuttermischung, Unkrautsämereien, Kolbenhirse, Hafer. Da gekeimte Sämereien wertvoller als trockene sind, sollten sie auch im gequollenen oder gekeimten Zustand angeboten werden . Nach neuesten Erkenntnissen sollte das Keimfutter nicht länger als 6 Stunden im Wasser sein. Mein Keimfutter besteht aus Wellensittichkeimfutter mit Papageienquellfutter Hafer, Weizen und Sonnenblumenkernen. Es sollte nur darauf geachtet werden, dass diese Futtermittel während des Quell- und Keimvorgangs nicht säuern. Gut bewährt hat sich ein handelsübliches Aufzucht- bzw. Eifutter der Firmen CEDE oder Orlux für Sittiche und Papageien sowie Wittemolen, alle gemischt mit Matzinger Bio Hundeflockenfutter mit Gemüse. Verschiedene Obst- und Gemüsesor­ten, vor allem jedoch Karotten und Äpfel, Vogelmiere, Mangold, Löwenzahn, Petersi­lie, Ebereschen, Hagebutten, Apfelsinen, Bananen, Weintrauben, Birnen, Brennnesselblätter, Vogelknöterich, Gartenkresse, knospende Zweige von Obstbäumen, Birken, Buchen, Weiden und andere Laubbäume sind besonders begehrt. Des weiteren bekommen meine Plattschweifsittiche Grit, Vogelkalk, Mineralstoffe, Aminosäuren, Spurenelemente und Vitamine.

VII.  Zucht

 

Im März bis Mai, wenn uns die ersten warmen Tage beschert werden, beginnt der Adelaidesittich mit der Balz. Der Hahn sitzt auf einer Sitzstange neben der Henne mit nach vorne gestoßenen und leicht geöffneten Flügeln, die Brustfedern gesträubt, den Kopf aufgerichtet und nach hinten oder zur Seite geneigt, wippt er mit gefächertem Schwanz. Dabei ertönt ein unablässiges Geschnatter. Er balzt auch auf dem Erdboden und vor dem Nistkasten. Damit lockt er sein Weibchen herbei. In der Auswahl der Nistkästen sind die Tiere nicht sehr wählerisch. Man kann diese Kästen ohne weiteres selbst herstellen (sechseckig, Höhe 70 cm, Innendurchmesser 24 cm und das Einflugloch hat einen Durchmesser von 8 cm). Natürlich sollte alles aus Naturholz sein. Man kann auch ausgehöhlte Baumstämme mit 24 cm Innendurch­messer und 60 cm Tiefe verwenden. Den Boden des Nistkastens fülle ich mit Hobelspänen/Hamsterstreu auf, weil er so einfach sauberzuhalten ist und meine Vögel dies sehr gut annehmen. Außerdem nehmen die Hobelspäne gut die Feuchtigkeit des Kotes auf, wodurch die Füße und Ringe der Jungtiere sauber bleiben. Ich habe mehrfach in Zuchtberichten gelesen, daß manche Züchter Sägemehl verwenden. Sägemehl ist fein, staubig und kann sich somit in den Augen der Jungen festsetzen und zu Entzündungen führen. In der Balzzeit ist der Adelaidsittich ein sehr lebhafter Vogel, den man in dieser Zeit genau beobachten sollte, da manche Hähne gegen­über ihren Hennen äußerst aggressiv werden können. Solche Hähne sollten nicht zur Zucht angesetzt werden. Bereits vor der Eiablage bettelt die Henne beim Hahn um Nahrung und wird auch regelmäßig gefüttert. Kurze Zeit später liegt meistens das erste Ei im Nistkasten. (Ein erfahrener Züchter sieht dies bereits einige Tage vorher an der unnatürlich gewölbten Rückenlinie des Weibchens ). Jeden 2. Tag erfolgt dann eine weitere Eiablage. Durchschnittlich besteht ein Gelege aus 6 Eiern, es kann aber auch auf stattliche 10 Eier ansteigen. Nachdem die Henne sich gesetzt hat, kann man am fünften Tag im Ei rote Adern erkennen, die auf die Befruchtung hinweisen. Nach gut einer Woche verfärbt sich das befruchtete Ei schwärzlich, die nicht befruchteten Eier bleiben hell. Während die Henne die Eier bebrütet, wird es regelmäßig vom Hahn gefüttert. Nach einer Brutzeit von 21 Tagen erblicken die Jun­gen das Licht der Welt, sie öffnen die Eischale mit ihrem Eizahn. Den Eizahn verlieren die Jungtiere im Alter von einer Woche. An den ersten Lebenstagen der jungen Adelaidesittiche kommt die Henne fast überhaupt nicht aus dem Nistkasten. Was ihr der Hahn an Futter gibt, verfüttert sie an die Jungen weiter. Sie würgt das Futter aus dem Kropf hoch und pumpt es in die Schnäbel der Kleinen. Wichtig für das Gedeihen der Jungen ist ein Sekret, das sich im Kropf der Eltern bildet und sehr eiweißhaltig ist. Die Ernährungswissenschaft hat gezeigt, daß die ausreichende Versorgung der Jungvögel mit Nahrung in den ersten zwei Lebenswochen von immenser Bedeutung ist. Jungvögel, die unzureichend ernährt werden, erreichen niemals ihre genetisch mögliche Größe. Zwischen dem 7. und 10. Tag, je nach Wachstumsfortschritt, werden die jungen Adelaidesittiche bei mir mit geschlossenen AZ-AGZ-Ringen beringt. Der Ring ist zuerst über die drei längeren Zehen und danach über die vierte kleinere zu streifen. Es darf kein Ring mit Gewalt übergezogen werden, da eine bleibende Fußverletzung nicht ausgeschlossen werden kann. Ich mache regelmäßig Nistkastenkontrollen und nehme die jungen Adelaidesittiche in die Hand oder heraus, um zu überprüfen, ob sie gut gefüttert werden und damit sie keine Angst haben, wenn sie den Nistkasten verlassen. Somit werden sie von klein an recht zutraulich. Die Zuchtpaare gewöhnen sich schnell daran und akzeptieren die Kontrollen.

Wenn die Jungen erst 10 Tage und älter sind, geht der Hahn auch in den Nistkasten und füttert direkt. In diesem Alter öffnen die Jungen ihre Augen und man erkennt die ersten Federkiele. Der Hahn füttert immer eifriger, und wenn die Jungen mit etwa 35 Tagen das Nest verlassen, hat er diese Pflicht fast ausschließlich übernommen, denn kurze Zeit später können bereits wieder Eier im Nest liegen, eine zweite Brut ist keine Seltenheit. Die jungen Adelaidesittiche werden von ihrem Vater weiter gefüttert bis sie mit etwa 14 Tagen nach dem Ausfliegen selbständig sind. In den ersten Ta­gen sind sie beim Fliegen noch recht unbeholfen, man sollte in der Zeit das Volierenende - sprich Draht - mit Zweigen dekorieren, um Verletzungen zu vermeiden. Es empfiehlt sich, in dieser Zeit eine Wurmkur durchzuführen, denn die Jungtiere ent­wickeln sich dann besser. Gute 4 Wochen nach Verlassen des Nistkastens trenne ich die Jungen von den Eltern, außer, wenn keine Brut mehr folgt und der Hahn die Jungen länger duldet. Nach Beendigung der Brutzeit nehme ich den Nistkasten/ Naturstamm heraus.

Bei allen meinen Zuchtpaaren hängen zwei Nistkästen. Einer ist aus Naturstamm, der zweite ist ein selbst hergestellter sechseckiger Nistkasten; auch wenn einige Züchter dieses für unnötig erachten. Viele erste Bruten würden unversehrt den Nistkasten verlassen, wenn man diesen Tip beherzigen würde. Gelegentlich werden die Jungen auf der Suche nach einer Nistgelegenheit für die zweite Brut vom Althahn gerupft oder gar getötet. Außerdem suchen sich erstmals brütende Paare gerne ih­ren Nistkasten aus, was meines Erachtens nach für eine erfolgreiche Brut nicht unerheblich ist.

Ich habe festgestellt, wenn man mehrere Paare einer Art hat, diese aber nicht direkt in nebeneinanderliegenden oder gegenüberliegenden Volieren hält (z.B. Adelaidesittiche, Pennantsittiche oder Prachtrosella) sich dieses auf die Zucht stimulierend auswirkt. Denn gerade in der Balz heizen sich die Hähne durch ihren Gesang oder Flöten gegenseitig an. Ein weiterer Vorteil der Zucht mit mehreren Paaren einer Art oder Unterart liegt darin, daß man Jungtiere, die von ihren Eltern nicht versorgt wer­den, anderen Paaren unterlegen kann. Daß das Umlegen der Jungtiere nur in Aus­nahmefälle geschehen soll, dürfte als selbstverständlich angesehen werden. Ein weiterer Vorteil der Zucht mit mehreren Paaren ist, daß man selbst blutfremde Paare aus seinen Jungtieren zusammenstellen kann.

Es sollte hier auch erwähnt werden, daß gerade an Plattschweifsittiche von einigen Züchtern hohe Ansprüche gestellt werden. Sie vertreten die Ansicht, daß er nach Vollendung seines ersten Lebensjahres zur Brut schreiten sollte. Wir wissen jedoch, daß die meisten Plattschweifsittiche erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres voll in Pracht und damit ausgewachsen und zuchtreif sind. Wenn sie ein Jahr eher zur Zucht animiert werden, ist dies in vielen Fällen nutzlos und selbst dort, wo eine Brut gelingt, eine Sache, die man nicht unbedingt befürworten kann. Die Erfahrung hat eindeutig gezeigt, daß die Aussicht auf Erfolg bei erwachsenen Tieren wesentlich größer ist. Wer wirklich aus Liebe zum Tier seine Zucht betreibt, sollte sich jedoch den Vorsatz zu eigen machen: „Züchten heißt nicht nur vermehren, sondern vor allem erhalten.

 

Vom Adelaidesittich ist eine Lutinomutation bekannt. Sowohl in der Natur, als auch bei australischen Vogelfreunden in der Voliere wurden Exemplare dieser Mutation wahrgenommen. Wahrscheinlich kommen sie bis jetzt noch nicht in Europa vor.

 

Ich finde die wildfarbigen Sittiche am schönsten, da diese Farben am natürlichsten sind. Außerdem sind gute wildfarbige Tiere stets die besten Partner in den Mutationszuchten. Ob Mutationszuchten überhaupt zeitgemäß sind, muß jeder Vogelliebhaber für sich selbst entscheiden. Sicherlich finden sie ihre Berechtigung darin, daß sie auf Naturentnahme gänzlich verzichten und somit ein Schutz der freilebenden Populationen darstellen. Aber australische Sittiche werden sowieso nicht mehr eingeführt, denn Australien hat seit einigen Jahrzehnten den Export von Großsittichen und Papageien gänzlich eingestellt.

 

Literatur: Arndt, Thomas (1992): Lexikon der Papageien, Band 1-8

Hoppe, Dieter, Fachzeitschrift: Die Voliere, Heft Nr. 6/1986

Biologie und Pflege der Plattschweifsittiche/Rosellasittiche

Kremer, Hermann (1988): Australische Sittiche und ihre

Mutationen

 

Siegfried Wiek

AZ-Nr.: 24174

 

 

 

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Siegfried Wiek

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