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Der Pennantsittich

Platycercus elegans

 

 

I. Allgemeines

 

Der Pennantsittich zählt seit jeher zu den beliebtesten Großsittichen seiner Art, seine Farbenpracht verhalf ihm dazu, daß er häufig bei uns anzutreffen ist. Seinen Namen erhielt er von Gmelin im Jahre 1788. Das prachtvolle Aussehen des Pennantsittichs veranlaßte Gmelin dazu, als Artenname „elegans“ zu wählen, „elegans“ ist gleichbedeutend mit „elegant“ oder „schönes,  prächtiges Aussehen“.


Der folgende Beitrag befaßt sich mit seiner Verbreitung, Haltung und Zucht.

 

Der Pennantsittich gehört zur Gattung der eigentlichen Plattschweifsittiche (Platycercus), die sich in acht Arten bzw. fünfzehn Unterarten aufteilen und untereinander sehr nah verwandt sind. Das primäre Erkennungsmerkmal der Gattung Platycercus ist die auffällige "Schuppenzeichnung oder Säumung" des Rückens sowie die farblich gekennzeichnete Wangenregion. Bei allen Platycercus-Arten, deren Verbreitungsgebiete sich berühren oder überschneiden, sind gelegentlich "Bastarde" (Kreuzungen) bekanntgeworden. Diese Kreuzungen soll­ten jedoch kein Zuchtziel für uns sein. Die Heimat dieser farbenfrohen Vögel ist Australien. Dort tritt er  in drei Unterarten auf. Bedauerlich ist, daß bei uns selten reinerbige Pennantsittiche gezüchtet werden. Über Jahre hinweg kam es zu Mischlingszuchten zwischen Platycercus elegans elegans mit Platycercus elegans nigrescens, der nominativen Form (deren Junge " grüngefärbt " sind) und der kleinen nördlichen Unterart, deren Junge im Altgefieder (also Adultgefieder) weitgehend ausfliegen. So können aus einer Brut grün- und rotgefärbte Junge herauskommen. Man sollte bemüht sein, die "Grünen" von den "Roten" nach deren Selbständigkeit zu trennen und mit derselben Form (Grüne zu Grünen und Rote zu Roten) zu vergesellschaften. Wenn man hier konsequent diesen Weg verfolgt, so werden die Erbanteile der eingekreuzten nördlichen bzw. nominativen Form allmählich verschwinden, so daß weitgehend artenreine Bestände entstehen könnten. Leider wissen viele unserer Pennantsittich Züchter  gar nicht, daß es drei Unterarten gibt.

 

Laut Literaturangaben von Herrn Dieter Hoppe, nimmt der Pennantsittich in der Gruppe der Platycercus-Arten eine Schlüsselstellung ein und veranlaßt Taxonomen zu ständig neuen Theorien. Allgemein gilt der Pennantsittich als die dominierende Spezies der Gruppe auf dem australischen Festlandsockel und wird als die sogenannte "Superspezies" der blauwangigen Gruppe angesehen. Durch Aufspaltung kam es zur Entstehung der beiden westlichen Arten: Adelaidesittiche (Platycerus adelaidae) und Strohsittiche (Platycercus flaveolus). In der australischen  Literatur wird der Adelaidesittich zwar beschrieben aber nicht als selbstständige Unterart aufgeführt.

 

 

II. Verbreitungsgebiet - Allgemein

 

 

Pennantsittiche leben in tropischen Wäldern, des weiteren in Graslandsavan­nen mit Baumbestand und Anbaugebieten mit Restwaldbeständen, auch  Obstplantagen, Parkanla­gen und Gärten. Mit der dichteren Besiedlung Ostaustraliens haben sie sich eng an den Menschen angeschlossen und sind die ausgesprochenen Kulturfolger unter allen australischen Sittichen geworden. Man trifft Pennantsittiche auch in Nationalparks an, wo sie in Gesellschaft von Königssittichen sind und von Touristen an den Futterplätzen gefüttert werden. Man kann sie an solchen Futterplätzen sehr schön beobachten, da solche Tiere handzahm sind. Eine Beobachtung außerhalb der Nationalparks ist wesentlich schwieriger, da sich die Pennantsittiche bei der Nahrungssuche in hohen Bäumen sehr still verhalten. Auch Königssittiche bevorzugen als Brutgebiete die regenreichen Bergwälder. Hier entsteht ein harter Konkurrenzkampf zwischen Königssittichen und Pennantsittichen um Bruthöhlen oder Nistgelegenheiten, wobei nicht selten Pennantsittiche Sieger bleiben trotz der geringeren Körper­masse.

 

 

 

Brutverhalten der freilebenden Pennantsittiche

 

Die Brutsaison erstreckt sich von September bis Januar. Der unterschiedliche Brutbeginn bei den Unterarten des freilebenden Pennantsittichs resultiert aus der großen Nord-Südausdehnung ihres Verbreitungsgebietes. Höhlen und Äste und Stämme lebender sowie toter Bäume dienen als Nistplätze. In überwiegender Zahl werden Nistplätze in Eukalyptusbäumen bevorzugt, da diese mit ihren glatten Stämmen einen guten Schutz vor Feinden bieten. Im Frühjahr lösen sich die Pennantsittichverbände auf. Ab diesem Zeitpunkt besetzen die Vögel paarweise auch ein eigenes Revier, welches gegenüber Artgleichen verteidigt wird. Die Männchen sind für die richtige Nisthöhle verantwortlich. Sie zeigen ihrem Weibchen die vorgesehene Brutstätte. Bereits wenige Tage später kommt es zur Eiablage. Das Weibchen legt drei bis sieben Eier. Während das Weibchen alleine brütet, hält sich das Männchen in der Umgebung des Nestes auf. Sie verläßt das Nest nur kurz in den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag. Das Männchen füttert in regelmäßigen Abständen sein Weibchen. Nach einer Brutdauer von 20 Tagen schlüpfen die Jungen. Im Alter von 35 Tagen verlassen sie das Nest, werden aber von den Eltern noch einige Zeit gefüttert. Wenige Wochen nach dem Ausfliegen sammeln sich Jungtierschwärme und ziehen umher wie Nomaden, während die Zuchtpaare eigentlich seßhaft sind und nur örtlich bedingte Wanderungen im Winter stattfinden. Somit dehnen sie ihr Verbreitungsgebiet immer mehr aus.

Außerhalb der Brutzeit vereinigen sie sich zu größeren Gruppen, mitunter gemeinsam mit den Australischen Königssittichen, gelegentlich auch mit dem Prachtrosella oder mit dem Rosellasittich je nach Lebensraum. Zwischen den Männchen kommt es des öfteren zu Auseinanderset­zungen.

Die Nahrung der frei lebenden Pennantsittiche besteht hauptsächlich aus Grassamen, Samen von Büschen und Bäumen, vor allem von Eukalyptus- und Akazienbäumen; daneben auch Früchte, gemü­seartige Pflanzen, verschiedene Arten von Getreide, Beeren, Knospen, Nüssen, Blüten, Nektar, Insekten und deren Larven. Sie richten gelegentlich in Obstplantagen und Getreideanbaugebieten Schaden an.

 

 

 

 

III. Nördlicher Pennantsittich (die kleine rote Art)

Platycercus elegans nigrescens

 

Verbreitungsgebiet: Küstengebiete von Nordostqueensland

 

Kennzeichnung: Hahn und Henne: Sie unterscheiden sich von der Nominatform durch ihr generell dunkleres rot und kleiner sind auch; Kopf, Brust Bauch und die Säume der schwarzen Rückenfedern leuchtend kaminrot. Partieller Melanismus ist häufig; bei einzelnen Tieren sind Kopfplatte und Rücken nahezu schwarz. Körpermasse der Männchen 105-125 g, der Weibchen 100-115g. Die nördliche Unterart (nigrecens) ist beim Verlassen des Nestes bereits rot gefärbt. Größe ca. 34 cm.

 

Jungvögel: Wie die Eltern, aber matter gefärbt; das Rot auf dem Kopf, dem Bürzel und der Körperunterseite ist etwas dunkler; die Brustfedern besitzen einen feinen dunklen Saum, was dieser Gefiederpartie ein leicht schuppiges Aussehen verleiht; Schirmfedern und Federn des Hinterrückens sind schwarz mit mattrotem Saum, ihre Außenfahnen sind mit Mattolivgrün verwaschen.

 

 

Diese Unterart bietet ein gutes Beispiel für eine tiergeographische Klimaregel. Sie folgt der "Gloger'schen Regel", nach der innerhalb einer Art die geographischen Unterarten aus feuchten Gebieten eine stärkere Melaninaus­bildung, daher stärkere Schwarzfärbung, zeigen als die Unterarten der trockeneren Klimazonen.

 

 

IV. Südlicher Pennantsittich (die große grüne Art)

Platycercus elegans elegans / die Nominatform

 

Verbreitung: Südliches Queensland, Neusüdwales, Victoria, südöstliches Südau­stralien auf Norfolk und Neuseeland eingebürgert.

 

Kennzeichnung: Größer als die vorige Unterart, wesentlich hellerer Farbton der roten Gefiederteile. Die Übergänge zu nigrescens sind fließend. Ganz allgemein sind auch hier die Tiere aus feuchteren Gegenden dunkler gefärbt. Die Vögel der etwas trockeneren Verbreitungsgebiete zeigen eine hellere Rotfärbung. Besonders die Population im Südwesten der Verbreitungsregion zeigt eine besonders aufgehellte Rotfärbung, doch ist die individuelle Variabilität größer als die geographischen Gesetzmäßigkeiten.

 

 

V. North-Pennantsittich (Schwarzrücken)

Platycercus elegans melanoptera

 

 

Verbreitung und Beschreibung: Auf der Insel Kangaroo Island, South Australia vor der Küste Südaustraliens ist die dritte Unterart beheimatet. Sie unterscheidet sich von der Nominatform durch eine schmalere rote Federsäumung auf Nacken und Vorderrücken. Auch die Jungen gleichen den Jungtieren der Nominatform. Ob sie nach Europa gekommen sind, entzieht sich meiner Kenntnis. In einem Zuchtbericht ist zwar nachzulesen, daß sie nie nach Europa importiert wurden, ob dieses auch wirklich den Tatsachen entspricht, sei dahingestellt. Körpermasse 117-158 g. Größe ca. 36 cm.

 

 

 

VI. Beschreibung des Pennantsittichs

Platycercus elegans elegans

 

Hahn: rot; Wangen violettblau; Nacken, Rücken und teilweise Armschwingen schwarz mit breiten roten Säumen; die inneren mittleren Flügeldecken schwarz; Flü­gelbug sowie die äußeren, mittleren Flügel- und Armdecken blau; Armschwingen, Außenfahnen im Basisbereich der Hand­schwingen und Un­terflügeldecken blau; zentrale Schwanzfedern oberseits dunkelblau mit schwar­zer Basis, die äußeren dunkelblau mit hellen Säumen und blasser Spitze; Schwanzunterseite blaß­bläulich; Schnabel hornfar­ben-grau; schmaler nackter Augenring grau; Iris dunkelbraun; Füße grau. Größe ca. 36 cm.

 

Henne: durchschnittlich kleiner mit grünlichem Anflug auf der Oberseite der mittleren Schwanzfedern; kleinerer und schmalerer Schnabel. Die Kopfwölbung über dem Schnabelansatz verläuft wesentlich flacher als beim Hahn. Größe ca. 36 cm.

 

Rote Gefiederpartien bei Jungtieren mit Ausnahme von Stirn, Scheitel, oberen Wan­gen, Hals, Teilen der Oberbrust, Schenkel und Unterdecken und äußere Armdecken matt olivgrün; unter Flügeldecken mattblau; Oberseite der mittleren Schwanzfedern dunkel olivgrün mit blauschwarzer Spitze; Schwanzunterseite blaß graublau; heller Unterflügelstreifen vorhanden; Ich habe mit einigen Vereinskollegen festgestellt, daß gerade Vögel, die eine längere Umfärbungsphase haben, stabiler und größer werden. Umfärbung mit ca. 18 Mona­ten abgeschlossen.

 

 

VII. Haltung


Der Zoologische Garten in London war der erste Tierpark, der diese Großsittichart dem Publikum im Jahre 1861 präsentierte. Auch nach Deutschland gelangten sie in großer Anzahl. In den Jahren um 1950 waren die Bestände  auf ein Minimum geschrumpft, sie erholten sich aber wieder schnell. Die erste Vermehrung in Menschenhand gelang wohl 1874 in Frankreich, kurz darauf in England. In Deutschland sollen sie ebenfalls im letzten Jahrhundert erfolgreich gezüchtet worden sein.

 

Die beste Unterbringung stellt die Freivoliere mit anschließendem Schutzraum dar. In einer derar­tigen Voliere überstehen die Penantsittiche unsere milden Winter oh­ne starkes Heizen, denn Pennantsittiche bewohnen in ihrer Heimat extrem unter­schiedliche Klimazonen. Während die nördlichsten Populationen in tropischen Ur­wäldern  zuhause sind, leben die Tiere an der süd­lichen Grenze ihres Verbreitungs­gebietes in einem Klima, welches dem mitteleuro­päischen Klima sehr ähnelt. Da der Pennantsittich außerdem im ostaustralischen Randgebirge noch in erstaunlich großen Höhen vorkommt (Forschau beobachtete ihn am Mount Koscinsko, dem höchsten Berg Australiens in 2000 m Höhe), überste­hen die Gebirgspopulationen im Winter sogar regelmäßig Eis und Schnee. Die Vögel brauchen Sonne, Wind und Wetter, um sich richtig entwickeln zu können. Hält man mehrere Plattschweifsittiche nebeneinander, sollte unbedingt auf eine doppel­wan­dige Verdrahtung der Voliere geachtet werden, da es sonst durch Beißereien zu schweren Zehenverletzungen kommen kann. Es empfiehlt sich, Pennantsittiche paarweise in einer Voliere zuhalten, da sie auf andere Artge­nossen aggressiv reagieren. Pennantsittiche sind bewegungsaktiv, zutraulich, gute Flieger und nagen gern an Obst- und Weidenzweigen. Die Rinde der Zweige ist reich an Mineralstoffen und Spurenele­menten. Es empfiehlt  sich, Zweige in der Voliere anzu­brin­gen, um auch den Klettertrieb zu befriedigen. Die Sitzstangen soll­ten in ver­schiedenen Stärken aus Naturholz sein. Pennantsittiche kommen oft auf den Boden, scharren im Sand und baden gern. In meinen Volieren sind nicht nur Sitzstangen und Zweige, sondern auch abgestorbene dicke Äste oder Baumwurzeln. Die Vögel sind damit beschäftigt die Äste bzw. Baumwurzeln zu zerlegen und pflegen somit ihre Schnäbel und Krallen. Dieses habe ich bei einem  Schauwellensittichzüchter, als ich 1984 mit der Wellen - und Großsittichzucht anfing, gesehen. Ich habe es bei meinen Vögeln auch ausprobiert und praktiziere es heute noch. Zur Einrichtung des Geheges gehört unbedingt eine flache Wasserschale als Badegelegenheit. Über der Futter und Wasserstelle darf keine Sitzstange oder andere Sitzgelegenheit angebracht werden, da sonst der Kot in diese Gefäße fällt und den Inhalt verunreinigt. Da die Sittiche für Infektionen mit Würmern anfällig sind, sollte man zweimal im Jahr eine Wurmkur durchführen.

 

 

VIII. Ernährung

 

 

Das Futter meiner Plattschweifsittiche besteht aus einer Großsittichfuttermischung, Unkrautsämereien, Kolbenhirse, Hafer. Da gekeimte Sämereien wertvoller als trockene sind, sollten sie auch im gequollenen oder gekeimten Zustand angeboten werden . Nach neuesten Erkenntnissen sollte das Keimfutter nicht länger als 6 Stunden im Wasser sein. Mein Keimfutter besteht aus Wellensittichkeimfutter mit Papageienquellfutter Hafer, Weizen und Sonnenblumenkernen. Es sollte nur darauf geachtet werden, dass diese Futtermittel während des Quell- und Keimvorgangs nicht säuern. Gut bewährt hat sich ein handelsübliches Aufzucht- bzw. Eifutter der Firmen CEDE oder Orlux für Sittiche und Papageien sowie Wittemolen, alle gemischt mit Matzinger Bio Hundeflockenfutter mit Gemüse. Verschiedene Obst- und Gemüsesorten, vor allem jedoch Karotten und Äpfel, Vogelmiere, Mangold, Löwenzahn, Petersilie, Ebereschen, Hagebutten, Apfelsinen, Bananen, Weintrauben, Birnen, Brennnesselblätter, Vogelknöterich, Gartenkresse, knospende Zweige von Obstbäumen, Birken, Buchen, Weiden und andere Laubbäume sind besonders begehrt. Des weiteren bekommen meine Plattschweifsittiche Grit, Vogelkalk, Mineralstoffe, Aminosäuren, Spurenelemente und Vitamine.

 

 

IX. Zucht

 

 

Im März bis Mai, wenn uns die ersten warmen Tage beschert werden, beginnt der Pennantsittich mit der Balz. Der Hahn sitzt auf einer Sitzstange neben der Henne mit nach vorne gestoßenen und leicht geöffneten Flügeln, die Brustfedern gesträubt, der Kopf aufgerichtet und nach hinten oder zur Seite geneigt, wippt er mit gefächertem Schwanz. Dabei ertönt ein unablässiges Ge­schnatter. Er balzt auch auf dem Erdbo­den und vor dem Nistkasten. Damit lockt er sein Weibchen herbei. In der Auswahl der Nistkästen sind die Tiere nicht sehr wählerisch. Man kann diese Kästen ohne weiteres selbst herstel­len (sechseckig, Höhe 70 cm, Innendurchmesser 24 cm und das Ein­flugloch hat einen Durchmesser von 8 cm). Natürlich sollte alles aus Natur­holz sein. Man kann auch ausgehöhlte Baumstämme mit 24 cm Innendurchmesser und 60 oder 70 cm Tiefe verwenden. Den Boden des Nistkastens fülle ich mit Hobel­spä­nen/Hamsterstreu auf, weil es so einfach sauberzuhalten ist und meine Vögel sie sehr gut annehmen. Außerdem nehmen sie gut die Feuchtigkeit des Kotes auf, wodurch die Füße und Ringe der Jungtiere sauberbleiben. Ich habe mehrfach in Zuchtberichten gelesen, daß manche Züchter Sägemehl verwenden. Sägemehl ist fein, staubig und kann sich somit in den Augen der Jungen festsetzen und zu Entzündungen führen. In der Balzzeit ist der Pennantsittich ein sehr lebhafter Vogel, den man in dieser Zeit  genau beob­achten sollte, da manche Hähne gegenüber ihren Hennen äußerst aggressiv werden können. Solche Hähne sollten nicht zur Zucht ange­setzt werden. Bereits vor der Eiablage bettelt die Henne beim Hahn um Nahrung und wird auch regel­mäßig gefüttert. Kurze Zeit später liegt meistens das erste Ei im Nist­kasten. Ein erfahrener Züchter sieht dies bereits einige Tage vorher der unnatürlich gewölbten Rückenlinie des Weib­chens an. Jeden 2. Tag erfolgt dann eine weitere Eiablage. Durchschnittlich besteht ein Gelege aus 6 Eiern, es kann aber auch auf stattliche 10 Eier ansteigen. Nach dem die Henne sich gesetzt hat, kann man am fünften Tag im Ei rote Adern erkennen, die auf die Befruchtung hinweisen. Nach gut einer Woche verfärbt sich das befruchtete Ei schwärzlich, die nicht befruchteten Eier bleiben hell.Während die Henne die Eier be­brütet, wird sie regelmäßig vom Hahn ge­füttert. Nach einer Brutzeit von 19 Tagen erblicken die Jungen das Licht der Welt, sie öffnen die Eischale mit ihrem Eizahn. Den Eizahn verlieren die Jungtiere im Alter von einer Woche. An den ersten Le­benstagen der jungen Pennantsittiche kommt die Henne fast über­haupt nicht aus dem Nistkasten. Was ihr der Hahn an Futter gibt, verfüttert sie an die Jungen weiter. Sie würgt das Futter aus dem Kropf hoch und pumpt es in die Schnä­bel der Kleinen. Wichtig für das Gedeihen der Jungen ist ein Sekret, das sich im Kropf der Eltern bildet und sehr eiweißhaltig ist. Die Ernährungswissenschaft hat gezeigt, daß die ausrei­chende Versorgung der Jungvögel mit Nahrung in den ersten zwei Lebenswochen von immenser Bedeutung ist. Jungvögel, die unzureichend ernährt werden, erreichen niemals ihre genetisch mögliche Größe. Zwischen dem 7. und 10. Tag, je nach Wachstumsfortschritt, werden die jungen Pennantsittiche bei mir mit geschlosse­nen AZ-AGZ-Ringen beringt. Der Ring ist zuerst über die drei längeren Zehen und danach über die vierte kleinere zu streifen. Es darf kein Ring mit Gewalt übergezogen werden, da eine bleibende Fuß­verletzung nicht ausgeschlossen wer­den kann. Ich mache regelmäßig Nistkastenkontrollen und nehme die jungen Pennantsittiche in die Hand oder heraus, um zu überprüfen, ob sie gut gefüttert werden und damit sie keine Angst haben wenn sie den Nistkasten ver­lassen. Somit werden sie von klein an recht zutraulich. Die Zuchtpaare gewöhnen sich schnell daran und akzeptie­ren die Kontrollen.

Wenn die Jungen erst 10 Tage und älter sind, geht der Hahn auch in den Nistkasten und füttert direkt. In diesem Alter öffnen die Jungen ihre Augen, und man erkennt die ersten Federkiele. Der Hahn füttert immer eifriger, und wenn die Jungen mit etwa 35 Tagen das Nest verlassen, hat er diese Pflicht fast ausschließlich übernommen, denn kurze Zeit später können bereits wieder Eier im Nest liegen, eine zweite Brut ist keine Seltenheit. Die jungen Pennantsittiche werden von ihrem Vater wei­tergefüttert bis sie mit etwa 14 Tagen nach dem Ausfliegen selbständig sind. In den ersten Tagen sind sie beim Fliegen noch recht unbeholfen, man sollte in der Zeit das Volierenende sprich Draht mit Zweigen dekorieren um Verletzungen zu vermeiden. Es emp­fiehlt sich, in die­ser Zeit eine Wurmkur durchzuführen, denn die Jungtiere entwickeln sich dann besser. Gute 4 Wochen nach Verlassen des Nistkastens trenne ich die Jungen von den Eltern, außer wenn keine Brut mehr folgt und der Hahn die Jungen länger duldet. Nach Be­endigung der Brutzeit nehme ich den Nistka­sten/Naturstamm heraus.

 

Bei allen meinen Zuchtpaaren hängen zwei Nistkästen. Einer ist ein Naturstamm, der zweite ist ein selbst hergestellter sechseckiger Nistkasten. Auch wenn einige Züchter dieses für unnötig erachten. Viele erste Bruten würden unversehrt den Nistkasten verlassen, wenn man diesen Tip beherzigen würde. Gelegentlich werden die Jungen auf der Suche nach einer Nistgelegenheit für die zweite Brut vom Althahn gerupft oder gar getötet. Außerdem suchen sich erstmals brütende Paare gerne ihren Nistkasten aus, was meines Erachtens nach für eine erfolgreiche Brut nicht unerheblich ist.

 

Ich habe festgestellt, daß wenn man mehrere Paare einer Art, diese aber nicht in direkt einer Art nebeneinanderliegenden oder gegenüberliegenden Volieren hält (z. B. Prachtrosella, Pennantsittiche, Stanleysittiche und Blauwangensittiche), sich dieses auf die Zucht stimulierend auswirkt. Denn gerade in der Balz treiben sich die Hähne durch ihren Gesang oder Flöten gegenseitig an. Ein weiterer Vorteil der Zucht mit mehreren Paaren einer Art oder Unterart liegt darin, daß man Jungtiere, die von ihren Eltern nicht versorgt werden, anderen Paaren unterlegen kann. Daß das Umlegen der Jungtiere nur in Aus­nahmefällen geschehen soll, dürfte als selbstverständlich angesehen werden. Ein weiterer Vorteil der Zucht mit mehreren Paaren ist, daß man selbst blutfremde Paare aus seinen Jungtieren zu­sammenstellen kann.

 

Es sollte hier auch erwähnt werden, daß gerade an Pennantsittiche von einigen Züchtern hohe An­sprüche gestellt werden. Sie vertreten die Ansicht, daß er nach Vollendung seines ersten Lebens­jah­res zur Brut schreiten sollte. Wir wissen jedoch, daß die meisten Pennantsittiche erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres voll in Pracht und damit ausgewachsen und zuchtreif sind. Wenn sie ein Jahr eher zur Zucht animiert werden, ist dies in vielen Fällen nutzlos und selbst dort, wo eine Brut gelingt, eine Sache, die man nicht unbedingt befürworten kann. Die Erfahrung hat ein­deutig gezeigt, daß die Aussicht auf Erfolg bei erwachsenen Tieren wesentlich größer ist. Wer wirklich aus Liebe zum Tier seine Zucht betreibt, sollte sich jedoch den Vorsatz zu eigen machen: ”Züchten heißt nicht nur vermehren, sondern vor allem erhalten.

 

In den letzten Jahren tauchen immer mehr Mutationen der Pennantsittiche auf, Mutationen unter http://www.az-agz-igplattschweifsittiche.de/Mutationsbilder.htm . In freier Wildbahn sah man auch in den vergangenen Jahren vereinzelte Mutationsformen und Farbvarianten bei Pennantsittichen, welche sich in freier Natur aber nicht erhalten, da sie einem höheren Feinddruck unterliegen, oder durch die meist rezessive Vererbung schnell wieder verschwinden. Ich finde die Wildfarbigen am schönsten, da diese Farben am natürlichsten sind. Außerdem sind gute wildfarbige Tiere stets die besten Partner in den Mutations­zuchten. Ob Mutationszuchten über­haupt zeitgemäß sind, muß jeder Vogelliebhaber für sich selbst ent­scheiden. Sicherlich finden sie darin ihre Berechtigung, daß sie auf Naturentnahme gänzlich verzichten und somit ein Schutz der freilebenden Populationen darstellen. Aber Australische Sittiche werden sowieso nicht mehr eingeführt, denn Australien hat seit einigen Jahrzehnten den Export von Großsittichen und Papageien gänzlich eingestellt.

 

 

Siegfried Wiek, AZ-Nr. 24174

AZ-Ortsgruppe Osnabrück 174

IG-Sprecher

 

 

 

Literatur:  Arndt, Thomas (1992): Lexikon der Papageien, Band 1-8

               Klaus Immelmann und Dieter Vogels (5. Auflage 1989): Die australischen Plattschweifsittiche.

               Dieter Hoppe, Fachzeitschrift: Die Voliere , Heft Nr. 6 / 1986

               Biologie und Pflege der Plattschweifsittiche / Rosellasittiche