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Der Stanleysittich o. der Stanleyrosella

Platycercus icterotis ( Kuhl 1820 )

Engl. Western rosella

 

 

 I. Allgemeines

 

Der Stanleysittich ist der kleinste, leiseste und friedlichste Plattschweifsittich, sein Wesen ist einfach angenehm. Durch seine melodische, flötende Stimme und seine hübschen Farben hat er viele Liebhaber gefunden.

 

Wie schon bei anderen Australischen Sittichen, war auch beim Stanleysittich, der Londoner Zoo, im Jahre 1864, der erste, der dem Publikum präsentierte. Er gehört zur Gattung der eigentlichen Plattschweifsittiche (Platycercus), die sich in acht Arten und fünfzehn Unterarten aufteilen. Diese acht Arten lassen sich in drei Gruppen aufteilen:

die weißwangigen und die blauwangigen Arten sowie die gelbwangige Gruppe, welche nur durch den Stanleysittich besetzt ist. Der Lebensraum des Stanleysittichs ist zu den anderen Arten isoliert, wodurch eine sehr eigenständige Entwicklung stattfand. So unterscheiden sich die Spezies der dritten Gruppe durch einige wesentliche Eigenheiten:

 

Auffallend ist die geringe Körpergröße des Stanleysittichs; Männchen und Weibchen zeigen in der Gefiederfärbung einen ausgeprägten Geschlechtsdirnorphis (Geschlechtsunterschied) und die Jungen haben ein Jugendgefieder, das sie merklich von den Alttieren unterscheidet (hier besteht aber eine Ähnlichkeit zu dem Pennantsittich, P.e. elegans dies nur auf den Alt.- Jungvogel bezogen). Der Ruf und der Flug - schwimmend und flatternd erinnert bereits an die Vertreter der Gattung Vielfarben- und Singsittich (Psephotus-Arten). Das primäre Erkennungsmerkmal der Gattung Platycercus ist die auffällige "Schuppenzeichnung oder "Säumung" des Rückens sowie die farblich gekennzeichnete Wangenregion. Die Heimat der kleinen schmucken Vögel ist Australien. In freier Wildbahn unterscheidet man zwei geographische Unterarten des Stanleysittichs. In unseren Volieren bzw. Zuchtanlagen sind die beiden Unterarten jedoch so miteinander gekreuzt worden, dass es so genannte "reinrassige Stanleysittiche" kaum noch gibt.

 

Die Vermischung der Unterarten geschieht auch in freier Wildbahn in den Gegenden, in denen sich die Verbreitungsgebiete überschneiden. Dieses geschieht nicht nur bei den Stanleysittichen, sondern auch gelegentlich bei allen Platycercus-Arten untereinander, und zwar dort, wo die Verbreitungsgebiete sich berühren oder überschneiden. Alle Plattschweifsittiche (Platycercus) sind miteinander verwandt. Die Züchtung dieser Kreuzungen sollte jedoch kein Zuchtziel sein. Ich habe selbst Mischlinge auf Vogelbörsen gesehen z.B. Stanleysittich mit Blaßkopfrosella; Rosellasittichen, Pennantsittichen, teilweise mit Sing,- Vielfarbensittichen  aber so etwas kann man nicht unterstützen. Wissenschaftlich gesehen besteht aber eine nahe Verwandtschaft unter allen Platycercusarten.

 

 

II. Verbreitungsgebiet - Allgemein

 

Stanleysittiche leben in Grassavannen mit Baumbestand, offenen Wäldern, Obstplantagen, Anbaugebieten und Weideland mit Baumbestand sowie Baumansammlungen entlang von Flüssen. Gelegentlich sind sie auch in der Nähe der Städte und Dörfer zu beobachten, wo sie bevorzugt Parkanlagen, Gärten und Golfplätze aufsuchen. Sie  zeigen eine Vorliebe für Akazien- und Kasuarinen-Buschgebiete und sind nur gelegentlich in dichten Eukalyptuswäldern anzutreffen. Stanleysittiche wurden auch schon in den Parkanlagen von Perth beobachtet. Diese Art profitiert von Waldrodungen und Getreideanbaugebieten. In der heißen Zeit des Tages halten sich die Tiere in den Schatten spendenden hohen Eukalyptusbäumen auf. Der Stanleysittich ist allgemein häufig, jedoch erreicht er nicht die Populationsdichte seiner östlichen Verwandten, wie z.B. Pennantsittiche oder Prachtrosella bzw. Rosellasittiche. Anscheinend nimmt der im Südwesten dominierende Kragensittich wesentlichen Einfluss auf die Bestandsentwicklung des kleinen Stanleysittichs, da er bei der Nistplatzsuche als erfolgreicher Konkurrent auftritt. Ein weiterer Nistplatzkonkurrent für den Stanleysittich ist im äußersten Südwest-Westen Australiens der Rotkappensittich. Trotz der drückenden Konkurrenz ist der Bestand in allen Gebieten stabil. Stanleysittiche leben paarweise und im Familienverband. Selten sieht man Gruppen und wenn sind es Fressgemeinschaften, die sich an guten Nahrungsplätzen oder zur Getreideernte kurzzeitig zusammenfinden. Sie sind eigentlich standorttreu, nur die Jungtiere ziehen in angrenzende Gebiete ab. Sie leben auch auf Farmen, besuchen die Gärten in den Siedlungen und an den Farmhäusern und richten im Blumen- und Obstgarten gelegentlich Schaden an. Auf der Suche nach Weizenkörnern und Unkrautsamen kommt er sogar bis in das Innere von Schuppen und Scheunen. Solche Stanleysittiche sind auch gegenüber dem Menschen sehr zutraulich. Die Nahrung der frei lebenden Stanleysittiche besteht hauptsächlich aus Grassamen und gemüseartigen Pflanzen, welche die Sittiche auf dem Boden finden, auf dem sie sich flink und leichtfüßig bewegen, Weizen und andere Getreidearten; daneben Früchten, Obst (vor allem Äpfeln), Beeren, Knospen, Nüssen, Blüten, Nektar, Insekten und deren Larven.

 

 

Die Brutgewohnheiten der frei lebenden Stanleysittiche

 

Die Brutaktivitäten des Stanleysittichs sind an feststehende Zeiten gebunden. Die Balz, das Brüten sowie die Jungenaufzucht fallen in die Monate August bis Dezember. Stanleysittiche wählen Ast- und Baumlöcher in Eukalyptusbäumen als Brutplatz aus. Selten werden Nistplätze in anderen Baumarten angenommen. Das Partnerfüttern ist beim Stanleysittich ganzjährig zu beobachten, jedoch nimmt es zu Beginn der Balz merklich zu und die ausgeprägte Paarbindung steigert sich. Das Weibchen legt 3 bis 7 weiße Eier, in der Regel umfasst das Gelege 5 Eier. Während das Weibchen alleine brütet, hält sich das Männchen in der Umgebung des Nestes auf. Es füttert in regelmäßigen Abständen sein Weibchen. Nach einer Brutdauer von 19 Tagen schlüpfen die Küken. Im Alter von 33 Tagen verlassen sie das Nest, werden aber von den Eltern noch einige Zeit gefüttert.

 

 

III. Stanleysittich - Verbreitungsgebiet

Platycercus icterotis icterotis

(die Nominatform)

 

Küsten- und küstennahe Gebiete in Südwest-Australien vom Moore-Fluß bis zum Albany-Bezirk; östlich davon Mischzone mit Platycercus i. xanthogenys.

 

IV. Rotrücken-Stanleysittich - Verbreitungsgebiet

Platycercus icterotis xanthogenys  Salvadori

 

Das trockene Innere von Südwest-Australien.

 

Beide Unterarten sind nicht scharf voneinander zu trennen, die Übergänge von der Küste zum Landesinnern sind gleitend. Wir haben hier ein Parallelbeispiel zu der Farbentwicklung bei Prachtrosellas und Pennantsittichen: je trockenere Gebiete eine Population bewohnt, desto geringer ist - nach der Gloger'schen Theorie folgend - ihre Melaninausbildung. Die grüne Färbung, die durch die Überlagerung von Melaninen und Lipochromen entsteht, verschwindet ebenso, weil aus den roten Gefiederfarben mehr gelbe entstehen.

 

 

V. Beschreibung des Stanleysittichs

 

1. Platycercus i. icterotis ( gelbes Ohr )

 

Hahn: Kopf, Brust, Kehle, Bauch, Unterbauch und Unterbauchfedern dunkelrot; ovaler Wangenfleck intensiv Gelb, Nackenfedern schwarz mit grünen Säumen oder auch mit roten Säumen; die Oberrückenfedern sind schwarz mit roten Säumen wohingegen der Rücken und Unterrücken schwarz mit grünen Säumen ist; Bürzel ist oliv-grün; Oberschwanzfedern dunkelgrün mit bläulichen Säumen; Unterschwanzdecken rot; Unterschwanzfedern hellblau weißgrau auslaufend; Flügeldecken innen schwarz, blau auslaufend; Flügelbug und äußere Flügeldecken violettblau; Armschwingen grün in blau übergehend; und Unterflügeldecken violettblau; Handschwingen schwarzgrau; mit der Außenfahne in violettblau; Schulterfleck schwarz; Schnabel hellgräulich-hornfarben; Augenring unbefiedert grau; Iris dunkelbraun; Füße graubraun; Krallen anthrazit. Der Hahn hat kräftige Gestalt, aufrechte und stolze Haltung zwischen 55 und 60 Grad, sein Schnabel ist an der Nasenwurzel breiter und insgesamt gröber ausgebildet als bei beim Weibchen. Er hat eine kräftige Stirnwölbung seine Schädeldecke ist flacher und kantiger. Größe ca. 28 cm, Gewicht. 59-82g.

 

Henne:  Stirn rot; Scheitel rot in grün übergehend, hinterer Oberkopf, Nacken grün mit roten Säumen; Wangenfleck hellgelb; Rücken schwarz mit grünen Säumen; Unterrücken grün; Bürzel olivgrün; Oberschwanzfedern dunkelgrün; Flügelbug blau; Schulternfleck schwarz mit olivgrüner Säumung in geringer Ausdehnung; Brust, Bauch rot mit grünen Federn durchsetzt; Unterbauch, Unterschwanzdecken rot; Unterschwanzfedern hellblau, weißgrau auslaufend; innere Flügeldecken grün-blau, äußere Flügeldecken dunkelblau; Armschwingen schwarz, grün gesäumt; Handschwingen schwarzgrau; Außenfahnen der Handschwingen schwarzblau; Schnabel hellgrau-hornfarben; Augen dunkelgrau; Augenring unbefiedert grau; Füße graubraun; Krallen anthrazit; Gewicht 51-74 g, heller Unterflügelstreifen vorhanden. Die Weibchen haben einen etwas flacheren, kleineren Kopf, der Oberschnabel ist an der Basis schmaler als beim Männchen.

 

Jungtiere: überwiegend grün bis olivgrün und mit rot-orangeroten Federbereichen auf Stirn, Brust, Bauch und Unterschwanzdecken; junge Männchen  haben eine intensivere Färbung mehr rot, insbesondere sind bei ihnen die Brustfedern rot gezeichnet; gelber Wangenfleck fehlt meist; heller Unterflügelstreifen vorhanden; Umfärbung mit 14 Monaten abgeschlossen.

 

2. Rotrücken-Stanleysittich ( gelbe Wange )

    Platycercus icterotis xanthogenys  Salvadori 1891

 

Hahn: wie icterotis, aber mit blasserem Wangenfleck; Nacken-, Rücken- und Schulterfedern schwarz mit breiten bräunlichgrauen und roten Säumen; Unterrücken und Oberschwanzdecken olivegrau; zuverlässige Unterscheidungsmerkmale sind der gräulich olivfarbene Bürzel (anstatt grün) lt. Herrn Hutchins und Herrn Lovell (1985); die mittleren Schwanzfedern matt dunkelblau mit nur schwachem oder keinem dunkelgrünen Anflug.

 

Henne: wie bei icterotis, aber deutlich blasser; Nacken-, Rücken- und Schulterfedern dunkelgrau mit breiten bräunlichgrauen Säumen; Unterrücken und Oberschwanzdecken olivegrau.

 

Jungtiere wie bei der Nominatform beschrieben, aber überwiegend olivegrau gefärbt; Rücken- und Flügelsäume mit hellgrauen Säumen.

 

Anmerkung: Die Unterart xanthogenys ist nicht unumstritten, da es eine breite Mischzone mit icterotis gibt und sich lediglich die Vögel von der östlichen Verbreitungsgrenze deutlich von der Nominatform unterscheiden.

 

 

VI. Haltung

 

In der Haltung unterscheidet sich der Stanleysittich kaum von den anderen Platycercus-Arten, wie z.B. Prachtrosella oder Pennantsittichen. Die beste Unterbringung stellt die Freivoliere mit anschließendem Schutzraum dar. In einer derartigen Voliere überstehen die Stanleysittiche unsere milden Winter ohne starkes Heizen. Das Untergefieder unserer Australischen Sittiche hat sich unserem Klima angepasst. Denn auch der kleinste Plattschweifsittich braucht seinen Flugraum, Sonne, Wind und Wetter, um sich richtig entwickeln zu können.

 

Hält man mehrere Plattschweifsittiche nebeneinander, so sollte man unbedingt auf eine doppelwandige Verdrahtung der Voliere achten, da es sonst leicht durch Beißereien zu schweren Zehenverletzungen kommen kann. Es empfiehlt sich Stanleysittiche paarweise in einer Voliere zu halten, da diese auf andere Artgenossen aggressiv reagieren. Die Jungvögel und die Einjährigen fliegen bei mir in einer großen Gemeinschaftsvoliere, wo es selten Streitereien gibt und das Sozialverhalten untereinander geprägt wird. Zum Herbst verlassen die überjährigen Vögel diese Voliere und werden mit ihren Partnern in eine eigene Voliere umgesetzt. Stanleysittiche sind bewegungsaktiv, zutraulich, gute Flieger und nagen gern an Obstbaum- und Weidenzweigen. Die Rinde der Zweige ist reich an Mineralstoffen und Spurenelementen. Ferner können die Vögel an den Zweigen ihre starken Schnäbel betätigen und damit pflegen. Deswegen empfiehlt es sich, Zweige in einer Voliere anzubringen, da sie auch gerne klettern. Die Sitzstangen sollten in verschiedenen Stärken aus Naturholz vorhanden sein. In meinen Volieren sind nicht nur Sitzstangen und Zweige, sondern auch abgestorbene, dicke Äste oder Baumwurzeln. Die Vögel sind damit immer beschäftigt, die Äste bzw. Baumwurzeln zu zerlegen und pflegen somit ihre Schnäbel und Krallen und den Klettertrieb zu befriedigen. Dies habe ich bei einem Schauwellensittichzüchter gesehen, als ich 1984 mit der Wellensittich- und Großsittichzucht anfing, besuchte ich ihn in dieser Zeit öfter. Ich habe dieses bei meinen Vögeln auch ausprobiert und praktiziere es auch heute noch. Es kann auch zusätzlich eine Sitz in Längsrichtung der Voliere, mit Winkel, aus gehobeltem Tannenholz 6X4 cm flach montieren zum benargen in Höhe von den anderen Sitzstangen. Stanleysittiche kommen oft auf den Boden, sind sehr geschickte Läufer, scharren im Sand und baden gern. Zur Einrichtung des Geheges gehört unbedingt eine flache Wasserschale als Badegelegenheit. Über der Futter- und Wasserstelle darf keine Sitzstange oder andere Sitzgelegenheit angebracht sein, da sonst der Kot in diese Gefäße fällt und den Inhalt verunreinigt. Da die Sittiche für Infektionen und Würmer anfällig sind, sollte man 2x jährlich eine Wurmkur durchführen.

 

VII.        Ernährung

 

   Das Futter meiner Plattschweifsittiche besteht aus

1.          Großsittichfuttermischung  IG - Plattschweifsittich - Spezialmischung

 

 Glanz- Kanariensaat, Haferkerne, Hanfsaat, Platahirse, Japanhirse, Kardisaat, Silberhirse, Buchweizen, Paddyreis, Negersaat, Milo, Leinsaat, gestreifte Sonnenblumenkerne 3%, Unkrautsämereien  Waldvogelfutter und Wildgrassamen, Kolbenhirse, Hafer

Da gekeimte Sämereien wertvoller als trockene sind, sollten sie auch im gequollenen oder gekeimten Zustand angeboten werden. Nach neuesten Erkenntnissen sollte das Quellfutter nicht länger als 6 Stunden im Wasser sein  dabei mehrmals gespült werden.

2.     Keimfutter

Taubenfutter für kleinere Arten mit verschiedenen Sämereien, Wellensittichkeimfutter, Großsittichkeimfutter, Papageienquellfutter, Katjangbohnen, Sonnenblumenkernen, Hafer und Weizen. Es sollte nur darauf geachtet werden, dass diese Futtermittel während des Quell- und Keimvorgangs nicht säuern und häufig spülen.

3.     Eifutter

Gut bewährt hat sich ein handelsübliches Aufzucht- bzw. Eifutter der Firmen Beduco N.V. Deli Nature Beyers Belgien BIOVIT für Sittiche und Exoten, Wittemolen feucht gelb für Sittiche und Exoten CEDE für Papageien und Sittiche sowie Orlux für Sittiche und Papageien, dazu gebe ich Hüttenkäse, Zwieback, Hafenflocken, hartgekochtes Ei, geriebne Möhren, ein paar Tropfen Olivenöl alle gemischt mit Matzinger Bio Hundeflockenfutter mit Gemüse,.

Spurenelemente und Vitamine mische ich mit ins Keimfutter oder Eifutter

4.    Obst und Gemüse

   Verschiedene Obst- und Gemüsesorten, vor allem jedoch Karotten und Äpfel, Vogelmiere, Mangold, Löwenzahn, Petersilie, Ebereschenbeeren, Hagebuttenbeeren, Hunds-Rose o. Hecken-Rose, Runzel-Rose, Schwarzer Holunder, Sanddorn, Apfelsinen, Bananen, Weintrauben, Birnen, Brennnesselblätter, Rote Beete, Paprika, Vogelknöterich, Gartenkresse, verschiedene Gräser. Bedenken sollte man, dass nur kleine Tagesportionen angeboten werden und Abwechslung auf dem Speiseplan gewährleistet ist, nach dem Motto „Mäßig aber Regelmäßig“. Knospende Zweige von Obstbäumen, Birken, Buchen, Weiden Kiefernzweige und andere Laubbäume sind besonders begehrt. Sollten den Vögeln regelmäßig zur Verfügung gestellt werden, denn die Rinde und ihr Holz enthalten sehr viele Mineralien. Des weiteren bekommen meine Plattschweifsittiche Grit, Vogelkalk, Mineralstoffe, Jodkalkstein, Taubensteine (Klaus Grit Stein), Sepiagrit und Kieselsteine 1-2 mm  (Aquarium - Kies ), Mineralstoffe sind nicht = Vogelsand mit Sepiagrit wurde ich auch nachgefragt,  Aminosäuren, Spurenelemente und Vitamine. Bei unter Versorgung können Mängel auf treten.

 

 VII. Zucht

 

Die Zuchtsaison ist zugleich eine Zeit des Hoffens und des Bangens, großer Freude, aber auch mancher Enttäuschung. Mein Vereinskollege sagte einmal vor ein paar Jahren, kein  Jahr ist wie das andere, Wetterumschwung usw. Im März, April oder Mai je nach Witterung wenn uns die ersten warmen Tage beschert werden, beginnt der Stanleysittiche mit der Balz. Der Hahn sitzt auf einer Sitzstange neben der Henne mit nach vorne gestoßenen und leicht geöffneten Flügeln, die Brustfedern gesträubt, der Kopf aufgerichtet und nach hinten oder zur Seite geneigt, wippt er mit dem gefächertem Schwanz. Die gesamte Balz wird von melodischen Pfeiftönen beleitet  und sein Balzruf Kwink- Kwink. Er balzt auch auf dem Erdboden und vor dem Nistkasten. Damit lockt er sein Weibchen herbei. In der Auswahl der Nistkästen sind die Tiere nicht sehr wählerisch. Man kann diese Kästen ohne weiteres selbst herstellen oder vom Tischler herstellen lassen. Ich verwende rechteckige Nistkästen aus Naturholz Lerche (Außenmaße Breite 28 cm, Tiefe 24 cm, Höhe 65 cm; Innenmaße Breite 24 cm, Tiefe 20 cm, Höhe 61 cm, Einflugloch 8 cm). In tieferen Kästen brüten die Hennen lieber und fühlen sicherer als bei Flachen Nistkästen Die Nistmulden sind bei mir auswechselbar. Dies hat sich sehr gut bewährt. Seit einigen Jahren benuten nicht nur Wellensittichzüchter sondern auch Großsittichzüchter Nistmulden aus Kunststoff, diese sind hervorragend zu reinigen und zu desinfizieren. Bei Nistkästen ohne Nistmulde kann es passieren, dass die Henne die Eier im ganzen Kasten verteilt, durch die Nistmulde wird ein auseinanderrollen des Geleges verhindert. Als Kletterhilfe zum Auf- und Abstieg an der glatten Nistkastenwand dient ein grobes Drahtgeflecht ohne scharfe Kanten. Ich habe bei allen meinen Plattschweifsittichen die gleichen Nistkästen, welche sehr gut zu reinigen und desinfizieren sind. Eine andere Möglichkeit ist sechseckig (Höhe 60 cm, Innendurchmesser 20-22 cm, und das Einflugloch hat einen Durchmesser von 8 cm) Natürlich sollte alles aus Naturholz sein. Man kann auch ausgehöhlte Baumstämme mit 20-22 cm Innendurchmesser und 50-60 cm Tiefe verwenden. Auch mit Einflugloch von 8 cm Durchmesser, darunter befindet sich eine etwa 10 cm lange Anflugstange. Diese ist nicht unbedingt nötig, erleichtert den Vögeln aber später das Füttern der Jungen von außen. Den Boden des Nistkastens fülle ich mit Hobelspänen/Hamsterstreu oder Buchenholzgranulat auf, weil es so einfach sauber zu halten ist und meine Vögel sie sehr gut annehmen. Außerdem nehmen sie gut die Feuchtigkeit des Kotes auf, wodurch die Füße und Ringe der Jungtiere sauber bleiben. In manchen Zuchtberichten verwenden die Züchter Sägemehl, dieses ist jedoch fein, staubig, und kann sich somit in den Augen und Atemwegen der Jungen festsetzen und zu Entzündungen führen. Der Luftfeuchtigkeit im Niststamm muss in der Regel nicht allzu große Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn die Zuchthennen regeln das selber über das tägliche Baden. In der Balzzeit ist der Stanleysittich ein sehr lebhafter Vogel, und man sollte in dieser Zeit seine Paare sehr gut beobachten, da manche Hähne gegenüber ihren Hennen aggressiv werden können was beim Stanleysittich aber sehr selten vorkommt. Solche Hähne sollten nicht zur Zucht angesetzt werden. Bereits vor der Eiablage bettelt die Henne beim Hahn um Nahrung und wird auch regelmäßig gefüttert. Kurze Zeit später liegt meistens das erste Ei im Nistkasten. (Ein erfahrener Züchter sieht dies bereits einige Tage vorher an der unnatürlich gewölbten Rückenlinie des Weibchens.) Diesem folgt dann jeden 2. Tag ein weiteres Ei. Am 5. Tag kann man im Ei rote Adern erkennen, die auf eine Befruchtung hinweisen, nachdem die Henne sich gesetzt hat. Nach gut einer Woche verfärbt sich das befruchtete Ei schwärzlich, die nicht befruchteten Eier bleiben hell. Ich habe festgestellt, dass meine Zuchtweibchen sich erst ab dem 5. Tag setzen. So kommen die Jungen auch zusammen an einem Tag aus ihren Eiern heraus. Durchschnittlich besteht ein Gelege aus 6 Eiern, es kann aber auch auf stattliche 9 Eier ansteigen. Während die Henne die Eier bebrütet, wird es regelmäßig vom Hahn gefüttert. Nach einer Brutzeit von 19 Tagen erblicken die Jungen das Licht der Welt, sie öffnen die Eischale mit ihrem Eizahn. Den Eizahn verlieren die Jungtiere im Alter von ca. 1 Woche. An den ersten Lebenstagen der jungen Stanleysittiche kommt die Henne fast überhaupt nicht aus dem Nistkasten heraus nur zum abkoten. Was ihr der Hahn an Futter gibt, verfüttert sie an die Jungen weiter. Sie würgt das Futter aus dem Kropf hoch und pumpt es in die Schnäbel der Kleinen. Wichtig für das Gedeihen der Jungen ist ein Sekret das sich im Kropf der Eltern bildet und sehr eiweißhaltig ist. Kräftige Jungvögel kann man nur erzielen, wenn die Altvögel optimal ernährt sind und diese ihre Jungen gerade in den ersten Lebenswochen ausreichend mit Nahrung versorgen. Geschieht dieses nicht, so holen die jungen Stanleysittiche in Bezug auf Größe nicht mehr auf. Zwischen dem 7. und 10. Tag, je nach Wachstumsfortschritt, werden die jungen Stanleysittiche bei mir mit geschlossenen AZ-AGZ- oder DKB-Ringen 5,0 mm beringt. Der Ring ist zuerst über die drei längeren Zehen und danach über die vierte kleinere zu streifen. Notfalls muß die vierte Zehe mit einem spitzen Gegenstand (Zahnstocher oder angespitztes Streichholz) durch den Ring gezogen werden. Es darf kein Ring mit Gewalt übergezogen werden, da eine bleibende Fußverletzung nicht ausgeschlossen werden kann. Ich mache regelmäßig Nistkastenkontrollen und nehme die jungen Stanleysittiche in die Hand oder heraus, um zu überprüfen ob sie gut gefüttert werden und damit sie keine Angst haben, wenn sie den Nistkasten verlassen. Somit werden sie von klein an recht zutraulich. Die Zuchtpaare gewöhnen sich schnell daran und akzeptieren die Kontrollen. Wenn die Jungen erst 10 Tage und älter sind, geht der Hahn auch in den Nistkasten und füttert direkt. In den ersten Lebenstagen haben alle jungen Plattschweifsittiche einen weißen Flaum. In diesem Alter öffnen die Jungen ihre Augen, und man erkennt die ersten Federkiele. Der Hahn füttert immer eifriger, und wenn die Jungen mit etwa 35 Tagen das Nest verlassen, hat er diese Pflicht fast ausschließlich übernommen. Denn kurze Zeit später können bereits wieder Eier im Nest liegen, weil eine zweite Brut keine Seltenheit ist. Die jungen Stanleysittiche werden von ihrem Vater weitergefüttert, bis sie mit etwa 14 Tagen nach dem Ausfliegen selbständig sind. In den ersten Tagen sind sie beim Fliegen noch recht unbeholfen, man sollte in der Zeit das Volierenende mit Zweigen dekorieren, um Verletzungen zu vermeiden. Da oft schon die Jungen im Nest mit Würmern infiziert werden, empfiehlt es sich, in dieser Zeit eine Wurmkur durchzuführen, denn sie entwickeln sich dann besser. Es ist immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis die Jungen Großsittiche wachsen und gedeihen zu sehen. Gute 4 Wochen nach Verlassen des Nistkastens trenne ich die Jungen von den Eltern, außer wenn keine Brut mehr folgt und der Hahn seinen Nachwuchs länger duldet, lasse ich die jungen Stanleysittiche weiterhin bei den Altvögeln. Nach Beendigung der Brutzeit nehme ich den Nistkasten/Naturstamm heraus. Ich habe festgestellt, dass, wenn man mehrere Paare einer Art hält, diese aber nicht direkt in nebeneinander liegenden oder gegenüberliegenden Volieren gehalten werden sollte (z.B. Prachtrosella, Pennantsittiche oder Adelaidesittiche) sich dieses auf die Zucht stimmulierend auswirkt. Denn gerade in der Balz heizen sich die Hähne durch ihren Gesang oder Flöten gegenseitig an. Ein weiterer Vorteil der Zucht mit mehreren Paaren einer Art oder Unterart liegt darin, dass man Jungtiere die von ihren Eltern nicht versorgt werden anderen Paaren unterlegen kann. Dass das Umlegen der Jungtiere nur in Ausnahmefällen geschehen soll dürfte als selbstverständlich angesehen werden. Ein weiterer Vorteil der Zucht mit mehreren Paaren ist, dass man selbst blutsfremde Paare aus seinen Jungtieren zusammenstellen kann. Stanleysittiche züchten bereits im ersten Jahr erfolgreich. Man sollte jedoch nur solche Vögel zur Zucht ansetzten, die voll in Kondition sind. Vögel die nicht vollfleischig und fit sind, oder die mausern, gehören auf die Reservebank fürs nächste Zuchtjahr.

 

In den letzten Jahren tauchen immer mehr Mutationen der Stanleysittiche, in den jeweiligen Farben auf. Die Basismutationen: sind Blau, Lutino, Zimt, Opalin, Dilute (Pastell), Schecke, Faded (Blass), Falbe, und bei Kombination bzw. mögliche Kombinationen, sind Opalin-Dilute (Opalin-Pastell), Zimt-Dilute (Zimt-Pastell), Zimt-Dilute-Opalin (Zimt-Pastell-Rot), Dilute-Blau (Pastell-Blau), Zimt-Dilute-Blau (Zimt-Pastell-Blau), usw. Es gab vor einigen Jahren Dunkelfarbigen Stanleysittiche die durch Selektion oder Inzucht entstanden waren, sie sind aber wieder verschwunden. Diese Angaben berufen sich auf die Angaben einiger Züchter.

 

Aktullen Mutationen unter Namensgebung und Vererbung bei den Platycercus- und Barnardius-Arten

 

Es gibt Opalin, Lutino und Zimt auch als Transmutation vom Rosellasittich, sowie die Kombinationen.

 

Auch in freier Wildbahn sah man in den vergangenen Jahren vereinzelte Mutationsformen und Farbvarianten beim Stanleysittich, welche sich in freier Natur aber nicht halten, da sie einem höheren Feinddruck unterliegen oder durch die meist rezessive Vererbung schnell wieder verschwinden.

 

Mutationszucht wird seit jeher Kontrovers diskutiert. Es gibt Züchter, die Farbspielarten, die nicht in der Natur vorkommen, kategorisch ablehnen, und solche, die sich an möglichen Farbenspiel erfreuen können. Beide Gruppen haben ihre eigenen Argumente, und man sollte sich gegenseitig respektieren. Wenn Mutationen in Misskredit kommen, liegt es immer an rücksichtslosen "Züchtern", die verantwortungslos mit dem Zuchtmaterial umgehen. Doch das wäre ein Thema für einen gesonderten Artikel in den Fachzeitschriften. Jeder Züchter, der etwas auf sich hält, sollte sich stets kräftige, blutsfremde Tiere beschaffen, bevor er mit der Verpaarung beginnt. Auf Nachschub aus der Natur können wir leider nicht hoffen, denn die Ausfuhr von Vögeln aus Australien ist seit 1960 per Gesetz strengstens verboten.

 

Ich habe persönlich nichts gegen Mutationen auch in meinem Bestand sind welche. Ich finde sie schön, aber wir sollten doch darauf achten, dass Mutationen unsere wildfarbigen Bestände nicht gefährden wie schon in anderen Bereichen bzw. Arten es passiert ist.

 

 

 

Siegfried Wiek, AZ-Nr. 24174, DKB-Nr. 23099038

IG-Sprecher der AZ-AGZ-IG Plattschweifsittiche

Platycercus- und Barnardius-Arten

 

 

Literatur:          Arndt Thomas (1992); Lexikon der Papageien, Band 1-8

Hoppe Dieter, Fachzeitschrift: Die Voliere/Heft Nr. 6/1986 –

Biologie und Pflege der Plattschweifsittiche/Rosellasittiche

Joseph M. Forshaw, ( 2002)  Australische Papageien Band 2